Auf einen Kaffee mit: Dr. Markus Fein

Ausgabe 20
Sa, 06/16/2018

Der Intendant der Festspiele MV

Auf einen Kaffee mit: Dr. Markus Fein

In Schwerin besuchten wir den Intendanten der Festspiele MV, Dr. Markus Fein, in seinem Büro, um uns mit ihm über sein Leben, die klassische Musik und über die Festspiele MV zu unterhalten. Dr. Markus Fein leitet diese seit 2014 und führte seit dem zahlreiche Neuerungen ein. Nicht weniger spannend aber waren auch seine Ausführungen zu seinem Werdegang und zu seinem Lebensweg, der ihn hier zu uns in den Nordosten geführt hat. Auch sehr interessant: Eine Anekdote über ein Konzerterlebnis vor vielen Jahren, das ihn reichlich Nerven gekostet hat. Wir wünschen Ihnen eine spannende Lese-Unterhaltung und ein erholsames Wochenende.

WiFöG: Herr Dr. Fein, Sie sind gebürtiger Hesse – geboren in Frankfurt am Main, einer der wichtigsten Metropolen Deutschlands. Aufgewachsen sind Sie jedoch in München. Wie lebt es sich bei uns auf dem Lande – hier im hohen Norden?

Dr. Fein: Ausgezeichnet! Man könnte auch vortrefflich sagen: Fein (lacht herzlich)! Ich lebe nun seit 25 Jahren in Norddeutschland und seit fünf Jahren in Mecklenburg-Vorpommern. Interessanterweise hatte ich bereits nach kürzester Zeit das Gefühl, hier im Norden meine eigentliche Heimat gefunden zu haben. Normalerweise hört man, dass Süddeutsche im Norden eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen. Bei mir ist das aber nicht so gewesen. Ich habe hier sofort zu den Menschen und zur Landschaft eine Verbindung aufgebaut. Kurz gesagt: Es ist herrlich hier, und das spüre ich wirklich jeden Tag.

WiFöG: Seit 2014 leiten Sie die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, deren Konzept ja u. a. darin besteht, Kunst und Kultur in die entlegensten Landesteile zu bringen. Wie gut kennen Sie Ihre Wahlheimat mittlerweile?

Dr. Fein: Oh, ich darf behaupten, dass ich Land und Leute in den vergangenen Jahren sehr gut kennengelernt habe. Das bringt meine Arbeit auch mit sich. Wir glauben, dass es eine wichtige Aufgabe der Festspiele MV ist, gerade die ländlichen Räume unseres Bundeslandes zu bespielen und sie zu integrieren. Trotzdem stelle ich als Privatmensch immer wieder fest, wie groß und vielfältig unser Bundesland ist – daher gibt es immer noch etwas zu entdecken. Für mich ist das ein Ansporn. Zumal ich auch oft nach Ausflugstipps gefragt werde.

WiFöG: Das ist ein beachtliches Zeichen dafür, dass man Ihnen eine sehr hohe Ortskenntnis zuschreibt.

Dr. Fein: Es ist ganz erstaunlich, wie schnell sich das gedreht hat – am Anfang war ich derjenige, der fragte – jetzt gebe ich Antworten. Das ist ein sehrschönes Gefühl in der Kürze dieser Zeit, die ich jetzt hier lebe (lacht herzlich).

WiFöG: Auch in unserem Landkreis Ludwigslust-Parchim – der Region Südwestmecklenburg – finden bereits seit Jahren regelmäßig herausragende Veranstaltungen der Festspiele statt. Wie gut kennen Sie eigentlich unseren Landkreis?

Dr. Fein: Sehr gut. Bei Ihnen im Landkreis kommt es nur noch sehr selten vor, dass ich einen mir unbekannten Landstrich entdecke. Und ja: Sie sagten es – gerade im Landkreis Ludwigslust-Parchim haben wir herausragende Vorstellungen, wunderschöne Spielstätten und große Konzerte. Im Hinblick auf die Publikumszahlen sind das sogar die erfolgreichsten im ganzen Bundesland. Es ist beeindruckend, wie viele Zuschauer und Freunde wir im südwestlichen Teil unseres so wunderschönen Bundeslandes Jahr für Jahr erreichen.

WiFöG: Wenn Sie das Wort „Südwestmecklenburg“ hören, was assoziieren Sie damit spontan?

Dr. Fein: Nun, ich verbinde damit die spürbar wirtschaftliche Stärke dieser Region, die mir gut aufgestellt scheint, mit vielen Arbeitsplätzen. Dazu eine unvergleichliche Vielfalt der landschaftlichen Schönheit, eine wunderschöne, zum Teil unberührte Natur verbunden mit der Weite des Raumes – was ich ganz persönlich unheimlich mag. Dazu kommen die vergleichsweise mittelgroßen und kleinen Städte, die einfach perfekt in den vorherrschenden ländlichen Raum hineinpassen. Aber auch die Menschen, die hier leben und die von hier kommen – das ist ein großes Pfund dieser Region. Und als Intendant der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern gefallen mir die vielen kulturaufgeschlossenen Menschen in dieser Region. Sie müssen  wissen, dass der Großteil unserer Besucher gerade in Redefin, in Hagenow oder auch in Parchim und Ludwigslust Menschen von „hier“ sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit und das bedeutet uns als Kulturschaffenden sehr viel.

WiFöG: Fällt Ihnen ein Ort in Südwestmecklenburg ein, an dem es – aus welchen Gründen auch immer – bisher kein Konzert gab, aber an dem Sie liebend gern eines veranstalten würden?

Dr. Fein: Es gibt da sicherlich etliche spannende Orte, an denen sich Konzerte lohnen würden. Spontan würde ich sagen: die Papierfabrik in Neu Kalliß. Das ist ein sehr interessanter Ort, den wir schon länger auf dem Radar haben. Es gibt dort zwei Hallen – die „alte“ und die „neue“.

WiFöG: Und welche Halle wäre für Sie spannender?

Dr. Fein: Beide. Man könnte dort die akustischen Unterschiede, die in den Gebäuden vorherrschen sehr gut hervorheben und erlebbar machen. Das würde gut zu unserer Reihe „Unerhörte Orte“ passen, in der wir ausgefallene Orte für klassische Konzertmusik umfunktionieren. Denkbar wäre aber auch der Ansatz „2 x Hören“. Dabei bekommt ein und dasselbe Publikum das gleiche Programm von zwei unterschiedlichen Besetzungen und in einer veränderten Positionierung des Zuhörers dargeboten. Hier könnte man bestimmt ein aufregendes Erlebnis kreieren. Ansonsten kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass es in Boizenburg eine tolle Location gibt, die wir bisher noch nicht so im Blick hatten.

WiFöG: Kommen wir einmal auf Ihre Studienzeit zu sprechen. Zunächst absolvierten Sie den Studiengang Angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg, später kamen noch Musikwissenschaften und Kunstgeschichte in Wien bzw. Hamburg hinzu. Wo hatten Sie Ihre aufregendste Studentenzeit?

Dr. Fein: So ganz einfach kann ich diese Frage nicht beantworten. Es war schlichtweg überall grandios für mich. Aber, mit Sicherheit war mein Auslandssemester in Wien für mich ein herausragendes Kapitel innerhalb meines Studiums. Es war die Vorbereitung auf meine Magisterarbeit und diente mir auch dazu, noch einmal ganz bewusst, eine Art Studium generale an mein eigentliches Studium, das doch sehr zielorientiert gewesen ist, anzuhängen. Wien war sehr inspirierend für mich. Ich habe dort die großen Museen besucht – insbesondere das Kunsthistorische – und ich habe dort viele Konzerte erlebt. Wien ist bis heute eine große Musikstadt. Dann habe ich philosophische Vorlesungen besucht. Es war herrlich. Ich wusste, dass dies die letzte Chance sein würde, alle Facetten der Wissenschaft und der kulturellen Vielfalt ohne Druck und ohne Verpflichtung in mich aufzusaugen – danach würde dann der wahre „Ernst“ des Lebens beginnen. Auch Lüneburg war großartig –  eine vergleichsweise kleine Unistadt, die durch das studentische Leben geprägt ist. Hamburg war in dieser Hinsicht anders – aber nicht weniger schön. Auch die Zeit meiner Promotion, die ich zum Teil forschend in Basel, am Paul-Sacher-Institut, verbracht habe, ist mir in bester Erinnerung. Das Lernen, das wissenschaftliche Arbeiten – das hat mich damals in den Bann gezogen. Ich weiß noch, dass ich, als ich meine Doktorarbeit abgegeben habe, am allerliebsten gleich am nächsten Tag mit der nächsten Promotion starten wollte (lacht sehr herzlich). Dabei hatte ich meine berufliche Laufbahn jenseits der Universität längst begonnen.

WiFöG: Ihre Vita lässt vermuten, dass Sie beinahe ausschließlich klassische Musik hören. Gibt es auch andere Stilrichtungen in der Musik, für die Sie sich erwärmen können? Und falls ja – welche sind das?

Dr. Fein: Ich höre sehr viel und sehr breit Musik. Sicher: Die Klassik dominiert, dennoch höre ich sehr gern Jazz, gut gemachten Soul, gute Singer-Writer. Musik berührt mich auf ganz unterschiedliche Weise. Aber ja, der klassischen Musik fühle ich mich besonders nahe.

WiFöG: Mit Sicherheit beherrschen Sie selbst einige Instrumente. Welches Instrument liegt Ihnen denn am meisten bzw. womit haben Sie begonnen?

Dr. Fein: Nun, das dürfte durchaus überraschen: die Gitarre (lacht). Und ich habe mir das Gitarrenspiel zunächst selbst beigebracht. Später wünschte ich mir dann einen Lehrer und damit verbunden, die Möglichkeit mehr zu lernen. Aber alles begann als Kind und Jugendlicher mit Jazz, Funk, Rock – Lagerfeuer-Musik. Später kam der Wunsch nach der Klassik. Und ich war stolz, als ich mir mein Klavier erspart hatte und ich mir meine erste Beethoven-Sonate erarbeitet hatte.

WiFöG: Gibt es, wenn Sie zurückdenken, ein prägendes Erlebnis, dass in Ihnen das Feuer für die Klassik entfacht hat?

Dr. Fein: Es gab mehrere. Das erste Erlebnis war eine Schallplatte – und zwar von Arnold Schönberg: „Die verklärte Nacht“. Das ist ein Frühwerk, das höchstemotional komponiert wurde. Als Jugendlicher mit 16 Jahren fand ich darin eine Heimat, die meinen eigenen Stimmungen entsprach und die mich damals beseelt hat. Ich hatte dieseMusik erstmals im Konzert gehört und war regelrecht getroffen von dieser Musik. Am nächsten Tag kaufte ich mir die Schallplatte. Eine Zeit lang begann jeder Tag morgens mit einem kleinen Schallplattenkonzert und einem Bad in dieser hochromantischen, emotionalen Musik. Später folgten weitere prägende Erlebnisse.

WiFöG: Wir sprachen bereits davon – Sie sind in Ihrem Leben bereits sehr viel herumgekommen und haben in verschiedenen Regionen gelebt. Nach dem Studium arbeiteten Sie u. a. in Niedersachsen und Berlin. Was verbinden Sie persönlich mit dem Begriff „Heimat“?

Dr. Fein: Ein Gefühl. Heimat – das ist ein Gefühl. Und das drückt sich durch verschiedene Dinge aus. Durch einen bestimmten Geruch, durch Geräusche, Farben. Hier im Norden – meiner Heimat – ist das Sonnenlicht anders als beispielsweise in Bayern.

WiFöG: Sie gelten als ein sehr innovativer Intendant – mit vielen Ideen, die erfolgreich implementiert werden konnten. In Niedersachsen haben Sie unterschiedliche neue Formate im Rahmen Ihrer dortigen Tätigkeit als Intendant der  Niedersächsischen Musiktage entwickelt und ins Programm mit aufgenommen – auch für die Festspiele MV haben Sie Neues gewagt und installiert. Was treibt Sie dazu an?

Dr. Fein: Die Grundannahme, dass klassische Musik nicht einfach ein museales, statisches Erbe vergangener Zeiten ist. Für mich ist sie vielmehr eine kulturelle Bereicherung, die der Übersetzung und immer neuen Befragung bedarf. Mit einfachen Worten: Ich möchte die alten Werke immer wieder neu und neuartig erleben und erlebbar machen. Und das ist vor allem eine Frage der Intensität. Ich möchte das Hörerlebnis klassischer Musik möglichst intensiv gestalten. Hinzu kommt, dass mich die Menschen und Orte dieses wunderschönen Bundeslandes dazu inspirieren, Neues zu wagen. Seien es neue Spielorte oder eine neue Konzertform.

WiFöG: Gibt es auch in der Saison 2018 Neues bei den Festspielen?

Dr. Fein: Oh ja, eine ganze Menge. Wir haben uns für dieses Jahr etwa überlegt, wie wir noch mehr Familien mit Kindern in die Veranstaltungen bekommen. In diesem Jahr zahlen Eltern für ein Kinderticket der ersten Kategorie bei unseren Orchesterkonzerten in Redefin erstmals nur 10 Euro. Und das Tolle daran: Die Kinder entscheiden, ob sie lieber das Konzert hören möchten oder stattdessen in eine professionelle Kinderbetreuung möchten. Dort kümmern sich dann  Musikpädagogen um die Kinder. Kinder können selbstverständlich auch wechseln – beispielsweise vom Konzert in der ersten Konzerthälfte in die Kinderbetreuung.

WiFöG: Das klingt sehr attraktiv und verlockend – auch für die Eltern.

Dr. Fein: Genau darum ging es: Familien und insbesondere die Eltern zu entlasten und gleichzeitig den Zugang für Kinder und auch Jugendliche zur klassischen Musik zu erleichtern. Und ein schönes Erlebnis für alle zu schaffen.

WiFöG: Die Kulturszene in Mecklenburg-Vorpommern befindet sich seit einigen Jahren in einem großen Umbruch. Theaterfusionen, Sparzwänge und de-mografischer Wandel sorgen seit Jahren dafür, dass manch Kulturschaffende hierzulande schlaflose Nächte haben. Gilt das auch für Sie? Und wo sehen Sie derzeit die Festspiele innerhalb der Kulturlandschaft angesiedelt?

Dr. Fein: In der Tat befindet sich die Kulturlandschaft schon seit vielen Jahren in einem Veränderungsprozess. Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern sind zu über 90 Prozent privat finanziert, Kürzungen in den öffentlichen Etats treffen uns also nicht so hart wie andere. Was Mecklenburg-Vorpommern anbelangt, ist uns die Idee der Kooperation wichtig. Wir suchen den Schulterschluss, pflegen Kulturpartnerschaften und laden ganz bewusst Klangkörper aus der Region ein. Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern verstehen wir als Festival mit überregionaler Ausstrahlung – und einer starken regionalen Verankerung.

WiFöG: Ein Ziel, das Sie aktiv verfolgen,besteht darin, neue Hörperspektiven zu schaffen und somit ein besseres Verständnis für klassische Musik zu fördern. Dient dies mehr dem Zweck, neue Zielgruppen für die klassische Musik bzw. auch die Festspiele zu gewinnen oder wollen Sie damit langjährigen Klassik-Fans ein On-Top-Erlebnis liefern?

Dr. Fein: Beides. Und jedem das, wonach es ihn am meisten dürstet (lacht herzlich). Aber mal ganz im Ernst: Wir wollen einerseits Menschen gewinnen, die vielleicht Berührungsängste vor klassischer Musik kennen. Und wir wollen andererseits den Liebhabern und Kennern, den „alten Hasen“, eine neue Perspektive präsentieren und ihnen die Gelegenheit geben, Klassik anders zu erleben. Dazu dienen auch die beiden Themenreihen: „2 × Hören“ und „Unerhörte Orte“.

WiFöG: Inwiefern?

Dr. Fein: „Unerhörte Orte“ ist durchaus etwas für Neueinsteiger. Menschen, die vielleicht auch deshalb nicht so regelmäßig klassische Konzerte besuchen, weil sie die traditionellen Konzertsäle und das ganze Drumherum als „steif“, verschlossen und distanziert wahrnehmen. Eine Fabrik schafft da mehr Nähe und überwindet psychologische Hürden. Mit „2 × Hören“ wenden wir uns hingegen an ein kenntnisreiches Publikum. „2 × Hören“ zeigt, wie unterschiedlich wir Musik erleben, wenn wir ein und dasselbe Stück Musik zweimal hören. „2 × Hören“ schenkt dem Publikum Zeit zum Zuhören und bietet ganz neue Hörperspektiven.

WiFöG: Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern zeichnen sich auch dadurch aus, dass es Jahr für Jahr gelingt, absolute Hochkaräter zu engagieren. Hand aufs Herz – wenn Sie die freie Wahl hätten: Welche Künstlerin bzw. welchen Künstler würden Sie unheimlich gern künftig ins Land holen?

Dr. Fein: Es waren wirklich schon viele Weltstars da: Anne-Sophie Mutter, die Wiener Philharmoniker, die Sächsische Staatskapelle Dresden kommt in diesem Jahr erstmals zu uns, die Berliner Philarmoniker konzertierten zweimal mit Gustavo Dudamel. Wen ich wirklich noch sehr gern holen würde, das sind die großen amerikanischen Orchester: das Boston Symphony Orchestra, das New York Philharmonic Orchestra. Sir Simon Rattle oder Daniel Barenboim würden mich unheimlich reizen. Oder das Leipziger Gewandhaus. All das sind Träume. Mal schauen, was wir hinbekommen. Es sind übrigens nicht nur die Superstars, die unsere Festspiele zu dem gemacht haben, was sie sind – es sind genauso die internationalen Nachwuchskünstler, die man bei uns am Beginn ihrer Karriere erleben kann, es ist die einmalige Atmosphäre, es sind die Spielstätten. Und ich finde, wir haben noch ein gewaltiges Pfund zu bieten.

»Ich kann mit Fug und Recht behaupten: Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben ein besonders leidenschaftliches Publikum. Das sorgt für ein besonderes Knistern im Konzertsaal.«

WiFöG: Welches wäre das?

Dr. Fein: Wir haben ein Publikum, das unbedingt will. Es gibt bei uns kein Abonnement-Publikum, das aus einem Automatismus heraus Konzerte besucht, sondern Menschen, die wirklich wollen! Die sich darauf freuen und darauf warten, von woher auch immer in einen entlegenen Winkel unseres Bundeslandes zu reisen, dort ein Konzert zu genießen und zu übernachten. Ich kann mit Fug und Recht behaupten: Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben ein besonders leidenschaftliches Publikum. Das sorgt für ein besonderes Knistern im Konzertsaal.

WiFöG: Gibt es eine Anekdote aus Ihren bisherigen beruflichen Stationen, die Sie noch nie öffentlich verraten haben, die Sie uns aber berichten würden?

Dr. Fein: Nun, ich habe mal vor Jahren ein recht großes Konzert mit einem bekannten Pianisten organisiert, dessen Namen ich hier nicht preisgeben möchte. Und während dieses Konzertes ist das rechte Pedal am Flügel kaputt gegangen. Dieses Pedal ist dazu da, den Klang länger zu halten. Es verhakte sich und war also nun aus Versehen dauernd in Funktion, alle Töne begannen fürchterlich zu verschwimmen, ein Weiterspielen war unmöglich. Der Vorfall ereignete sich glücklicherweise direkt vor der Pause. Der Pianist stand auf, das Publikum applaudierte und ging ahnungslos in die Pause. Ich ging sofort auf die Bühne und versuchte per telefonischer Ferndiagnose einer befreundeten Klavierbauerin, das Instrument mit allen Mitteln und Wegen selbst zu reparieren. Andernfalls hätte ich das Publikum nach Hause schicken müssen. Das ganze verlief sehr anstrengend und schweißtreibend. Heute staune ich über meinen jugendlichen Mut. Ich hatte da einen Flügel unter meinen Händen, der über 100.000 EUR kostete und ich habe keinerlei Ausbildung als Klavierbauer. Heute hätte ich das Konzert wahrscheinlich abgesagt. Damals aber habe ich den gesamten Flügel auseinandergenommen, inklusive Spielwerk. Und was soll ich sagen: Am Ende der Pause, saß wieder alles da, wo es sein sollte und das Konzert konnte fortgesetzt werden, ohne dass irgendwer etwas von der Dramatik mitbekommen hätte. Ich war aber durch für den Tag (lacht herzlich).

WiFöG: Herr Dr. Fein, wir kommen bereits zur letzten Frage: Sie sind selbst Vater. Hört auch die nächste Generation im Hause Fein bevorzugt klassische Musik oder könnte das ruhig etwas mehr sein?

Dr. Fein: Das kann ruhig etwas mehr sein. Aber da kann man seine Kinder nicht zwingen. Es gibt keine richtige oder falsche Musik. Wir wollen gewiss unsere Kinder nicht auf einen bestimmen Weg zwingen, aber wir wollen ihnen die Leidenschaft für Musik mit auf den Weg geben. Sollten sie sich doch vor allem für klassische Musik interessieren, werden wir die Letzten sein, die da meckern würden (lacht herzlich).

WiFöG: Herr Dr. Fein, vielen Dank für dieses Gespräch.

© Bilder: Geert Maciejewski, FMV, Oliver Borchert, Monika Law, Irène Zandel, Körber-Stiftung Körte, Marc Brendemühl

 

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Marc Brendemühl
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