Auf einen Kaffee mit Mike H. Rosenzweig

Ausgabe 35
Sa, 02/02/2019

Ein ganz besonderer Gastgeber:

Auf einen Kaffee mit Mike H. Rosenzweig

Mitte Oktober 2018 eröffneten Mike H. Rosenzweig und Tino Varwig als neue gastronomische Pächter das altehrwürdige Landstallmeisterhaus auf dem Landgestüt Redefin. Das Traditionsobjekt, in dem einst die Landstallmeister bzw. Gestütsleiter residierten, wird seitdem als ein Haus der gehobenen individuellen Gastlichkeit geführt. Hochzeiten, Tagungen und Seminare bzw. Übernachtungen vor bzw. mitten in der einzigartigen Kulisse von Redefin und kulinarische Angebote auf Order bzw. während der zahlreichen offiziellen Veranstaltungstage – all das ist jetzt möglich und hat bereits in der kurzen Zeit eine eingefleischte Fangemeinde finden können. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Mike H. Rosenzweig. 

WiFöG: Herr Rosenzweig, Redefin ist ein traditionsreicher Ort, an dem Pferde seit Jahrhunderten eine absolute Hauptrolle spielen. Reiten Sie selbst auch?

Rosenzweig: Oha, das ist eine gute Frage. (lächelt) Als Kind habe ich schon auf einem Pferd gesessen, da war ich etwa vier Jahre alt.

WiFöG: Und dann?

Rosenzweig: Und dann war es das mit dem aktiven Reitsport bei mir. (lacht sehr herzlich) Später habe ich aber immer wieder sehr viel Zeit in Pferdeställen und auf Koppeln verbracht. Dort, wo ich aufgewachsen bin,in Schleswig-Holstein und im Hamburger Randgebiet, gab es viele Ställe und Pferde. Als Kinder hatten wir also quasi immer welche um uns herum. Außerdem habe ich eine pferdebegeisterte Tochter. Auch da war ich immer wieder „unter Pferden“. Mittlerweile ist meine Tochter in Australien unterwegs und arbeitet dort gerade auf einem Gestüt.

WiFöG: Beste Vorzeichen also für Ihr Engagement in Redefin …

Rosenzweig: Ja, absolut … (lacht herzlich)

WiFöG: Zu Ihrer Eröffnung war neben Landwirtschaftsminister Dr. Backhaus auch u. a. der Alt-Bundespräsident Joachim Gauck zugegen. Wie kam es dazu?

Rosenzweig: Nun, das geschah auf Einladung von Dr. Backhaus. Herr Gauck ist ja selber Mecklenburger und die beide kennen sich ja recht lange und gut. Für uns war das natürlich eine sehr große Ehre, diesen bedeutenden Menschen bei uns am Tage der Eröffnung begrüßen zu dürfen.

WiFöG: Waren Sie denn rechtzeitig informiert?

Rosenzweig: Wenn jemand von dem Kaliber des Alt-Bundespräsidenten zu Besuch kommt, dann erfährt man das als Gastgeber in der Tat ein paar Tage zuvor. Es hieß aber auch, dass noch etwas dazwischen kommen könnte. Dementsprechend aufgeregt waren wir. (lächelt). Mir fiel auf: Unser Bundespräsident a. D. hat die besondere Gabe, anderen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Bei ihm hatte ich nie den Eindruck, er stünde weit über uns. Er war vielmehr sehr interessiert an allem. Vor allem, weil er nie zuvor in Redefin gewesen ist. Seine Worte zum Abschied lauteten: Redefin ist definitiv eine Reise wert. Es wäre schön, wenn er uns irgendwann noch einmal besuchen kommt. (lächelt)

"Ich bin schon sehr lange in meinem Herzen der Gastronomie sehr zugewandt."

WiFöG: Des Weiteren hat auch der NDR in Form einer Kurzreportage berichtet. Man könnte sagen: „Da strahlt das Herz des Marketing-Fachmannes“. Sie selbst sind eigentlich ja Werbe- und Marketing-Experte, galten als einer der Top-Kreativen in Ihrer Branche. Wann und wie genau kam es, dass Sie in die Gastronomie wechselten?

Rosenzweig: Es war natürlich klasse, dass der NDR recht ausführlich berichtet hat – ganz unabhängig davon, dass ich selbst einst in der Werbebranche zuhause gewesen bin. (lacht herzlich) Aber um zurück zu Ihrer eigentlichen Frage zu kommen: Ich bin schon sehr lange in meinem Herzen der Gastronomie sehr zugewandt. Schon während meines Studiums verdiente ich mir Geld hinzu, indem ich als Kellner und Barkeeper gearbeitet habe. Ich liebte und liebe es, Gastgeber zu sein. Menschen, die zu einem kommen, mit dem Wunsch, eine tolle Zeit zu verbringen, genau dies zu ermöglichen – ganz gleich, wie unterschiedlich die Vorstellungen von dieser „tollen Zeit“ auch sein mögen. Es hat aber viele Jahre gedauert, bis ich das auch in selbstständiger Verantwortung habe umsetzen können.

WiFöG: Man könnte also sagen: Sie sind angekommen?

Rosenzweig: Voll und ganz! Mein Geschäftspartner Tino Varwig hat als gelernter Koch eine langjährige Berufserfahrung auf sehr hohem Niveau in diesem Bereich. Ich musste da ein paar Umwege gehen … (lacht sehr herzlich)

WiFöG: Wie haben Sie beide geschäftlich zueinander gefunden?

Rosenzweig: Das war ein schöner Zufall: Wir sind uns irgendwann vor vielen Jahren im Freundeskreis begegnet. Ich habe dann recht schnell gemerkt, dass Tino eine ähnliche Vorstellung von Gastronomie als emotionales Erlebnis hatte wie ich. Die Idee, gemeinsam etwas zu unternehmen bestand schon viele Jahre. Wir haben viele Objekte betrachtet, aber beinahe überall gab es Gründe, die gegen ein Engagement sprachen. Schließlich begann Tino auf Gut Bliestorf, einem ähnlich außergewöhnlichen Landsitz in der Nähe von Lübeck zu arbeiten. Die dortigen Eigentümer holten mich schließlich auf Empfehlung von ihm mit an Bord – seitdem sind wir Geschäftspartner.

WiFöG: In Hamburg waren Sie viele Jahre geschäftsführender Gesellschafter einer sehr gut gehenden Werbeagentur. Inwieweit spielt die „alte“ Leidenschaft für die Werbung noch eine Rolle bei Business-Entscheidungen, die Sie aktuell treffen?

Rosenzweig: Nur insofern, als dass es in meinen Augen bei allem, was wir tun, um das emotionale Erlebnis von interessierten Menschen geht. Ich selbst finde das Landstallmeisterhaus, das Landgestüt Redefin und die ganze Umgebung unglaublich schön. Aber, es geht gar nicht so sehr um mich dabei. Es geht um unsere Gäste und diejenigen, die sich für das Landstallmeisterhaus interessieren. Denen müssen wir einen emotionalen Mehrwert bieten – was wir auch tun. Das Flair des Landgestüts, die Pferde, die Architektur, die Parkanlage und auch die zahlreichen Events hier auf dem Areal sind ebenso Teil des Erlebnisses, das wir mit anbieten, wie beispielsweise unsere Küche, unsere Zimmer und die Suiten. Bei unseren Gästen sind es also viele einzelne Eindrücke, die zusammenkommen und die darüber entscheiden, ob diese Eindrücke mit deren individuellen Erwartungen „Schritt halten“ können. Gelingt dieses, oder werden die Erwartungen sogar übertroffen, kommen Gäste gern wieder. Und genau in diesem Rahmen treffe ich Business-Entscheidungen.

WiFöG: Wann und wie wurden Sie aufmerksam auf das Landstallmeisterhaus und Redefin?

Rosenzweig: Das Objekt war irgendwann ausgeschrieben. Da wir uns neben Gut Bliestorf auch ein zweites „Haus“ zutrauten, haben wir dann die Fühler ausgetreckt. Zunächst ganz vorsichtig – dann immer intensiver. (lacht sehr herzlich)

WiFöG: Und war es die vielzitierte „Liebe auf den ersten Blick“ oder musste sich das erst noch finden?

Rosenzweig: Nein, das war ganz eindeutig Liebe auf den ersten Blick. Wir kamen im Sommer hierher. Ich werde nie vergessen, was ich empfand, als ich aus dem Auto stieg, nachdem wir die Allee hier heraufgefahren sind, und ich dann diese meisterhafte Architektur sah. Wie ein kleines Paradies wirkte Redefin auf mich. Dazu die Pferde, die Natur und die Menschen hier in Redefin – einfach großartig! Ob es Antje Kerber ist, die das Gestüt leitet. Oder die Mitarbeiter hier am Landgestüt. Und ganz toll ist es, wie uns unsere Nachbarn hier aufgenommen haben. In der Kürze der Zeit konnten bereits freundschaftliche Kontakte entstehen, das ist sehr außergewöhnlich, wie ich finde.

WiFöG: Obwohl man uns Mecklenburgern ja eine gewisse „Scheu“ nachsagt …

Rosenzweig: Na ja, meine Lebensgefährtin ist selbst Mecklenburgerin. Ich bin seit vielen Jahren immer und immer wieder hierzulande unterwegs, treffe Menschen und habe so meine ganz eigenen Erfahrungen machen können. Glauben Sie mir: Es ist gibt sie nicht – die vielzitierte Sturheit und die „Menschenscheu“ des Mecklenburgers. Es handelt sich da eher um die vornehme Zurückhaltung, einen anderen Menschen, der einen weiteren Weg hinter sich hat, zunächst mal in Ruhe ankommen zu lassen. (lacht sehr herzlich)  

"Wir sehen uns hier in Redefin in allererster Linie als die Gastgeber der Menschen, die nach Redefin pilgern, um hier das besondere Flair des Landgestüts einzuatmen."

WiFöG: Im Unterschied zu Ihrer ersten gastronomischen Unternehmung dieser Art auf Gut Bliestorf bei Lübeck ist das Landstallmeisterhaus eingebunden in das baugeschichtliche und wirtschaftliche Ensemble eines arbeitenden Landgestüts. Welche Vorteile bieten sich Ihnen daraus?

Rosenzweig: Zahlreiche! (lacht) Zunächst ist es ja so, dass es hier viele größere Events über das Jahr verteilt gibt: u. a. die Hengstparaden, das Pferdefestival, Körungen – und nicht zuletzt die Festspiel-Konzerte. Zu all diesen Events kommen sehr viele Menschen hier nach Redefin. Das gibt es so nicht auf Gut Bliestorf. Daher haben wir hier auch eine ganz andere strategische Basis. Auf Gut Bliestorf stehen Hochzeitsgesellschaften und Tagungen ganz oben – die kommen dann extra zu uns. Hier sind viele Menschen bereits vor Ort, da gibt es andere Gegebenheiten. Wir sehen uns hier in Redefin in allererster Linie als die Gastgeber der Menschen, die nach Redefin pilgern, um hier das besondere Flair des Landgestüts einzuatmen.

WiFöG: Sie betreiben ja das Landstallmeisterhaus nicht im Alleingang sondern gemeinsam mit Ihrem Geschäftspartner Tino Varwig. Gibt es bei Ihnen beiden eine klassische Arbeitsteilung?

Rosenzweig: Ja, die gibt es. Ich denke, so etwas ist auch immer gut. Jedenfalls war dies in meinen Unternehmungen stets so und ich habe die Vorteile einer klaren Arbeitsteilung zu schätzen gewusst. Tino ist der Profi schlechthin in allen Gourmet-Fragen. Er hat in sehr vielen großen und großartigen Häusern gekocht – national wie international. Ich hingegen bin für das Kaufmännische zuständig. Allerdings bringe ich mich immer wieder in kulinarische Prozesse mit ein: mit Ideen. Das reicht dann aber auch. Denn das ist ganz klar der Bereich meines Geschäftspartners – da bin ich allerhöchstens „Sidekick“.

WiFöG: Mal eine andere Frage: Sie selbst stammen ursprünglich aus Hamburg, lebten und arbeiteten eine ganze Weile in München, bevor Sie wieder nach Hamburg zurückkehrten. Jetzt kreist Ihr Arbeitsleben um die Orte Bliestorf und Redefin. Vermissen Sie manchmal den Lärm und das pulsierende Leben der Metropolen um sich herum, wenn Sie auf dem Lande sind?

Rosenzweig: Überhaupt nicht! Davon hatte ich in meinem Leben mehr als genug. Ich genieße einerseits die Ruhe und Abgeschiedenheit des Landlebens. Andererseits ist es ja nicht so, dass auf dem Lande nichts geschehen würde. Im Gegenteil: Hier ist eine ganze Menge los. Aber es ist sicher überschaubarer und vor allem ist man auf dem Land eher öfter mit denselben Menschen zusammen. Das empfinde ich in meinem jetzigen Lebensabschnitt als eine Wohltat. Wie heißt es doch so schön: „Jegliches hat seine Zeit …“ (lächelt) 

WiFöG: Wie gut kennen Sie eigentlich schon unseren Landkreis?

Rosenzweig: Also das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist mir bereits sehr vertraut. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim mag es wohl aber noch den einen oder anderen mir unbekannteren Fleck geben. Das werde ich mir aber nach und nach erschließen. Schon allein deshalb, weil es zu meinen Hobbies zählt, Landschaften zu erkunden und zu entdecken.

WiFöG: So, Herr Rosenzweig, nun sind wir schon bei der letzten Frage angelangt. Wenn Sie sich einen prominenten Gast für das Jahr 2019 wünschen dürften: Wer wäre das und wieso?

Rosenzweig: Hm. Das ist eine sehr interessante Frage. Darf ich Ihnen dennoch mit meiner Antwort einen ganz kleinen, für mich jedoch recht bedeutsamen „Strich durch die Rechnung“ machen? (lächelt)

WiFöG: Selbstverständlich …

Rosenzweig: Wissen Sie, es ist für mich so, dass ich mich so ungemein auf ganz viele unterschiedliche Gäste freue. Ich freue mich auf Menschen, die mit ganz individuellen Bedürfnissen und Vorstellungen hier zu uns kommen werden und für die wir die Ehre haben, Gastgeber auf Redefin  zu sein – ich finde, das ist das Tollste, was ich mir vorstellen kann.  

WiFöG: Das ist doch ein sehr schönes Schlusswort – Herr Rosenzweig, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch.

Steckbrief

  • Eröffnung im Oktober 2018
  • Übernachtung: 6 Suiten
  • Essen: zu allen Veranstaltungen, Special-Events (z. B. Valentinstag) und auf Anfrage
  • Trauzimmer
  • Großzügiger Tagungsbereich mit modernster Technik
Landstallmeisterhaus // Betriebsgelände 1 // 19230 Redefin
Telefon: 038854 – 628 214 // E-Mail: info@landstallmeisterhaus.de // Web: www.landstallmeisterhaus.de

 

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Marc Brendemühl
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