Auf einen Kaffee mit: Oliver Schindler

Ausgabe 32
Sa, 12/08/2018

Investor, Süßwarenfabrikant und Vordenker:

Auf einen Kaffee mit: Oliver Schindler

Der gebürtige Karlsruher Oliver Schindler, Unternehmer des Jahres 2013 und dreifacher Familienvater, zählt zu den wichtigen Investoren in Südwestmecklenburg. Anfang der 2000er Jahre baute er in Boizenburg den Standort für eine weltweit erfolgreich operierende Süßwarenproduktion auf. Seine drei Unternehmen Sweet Tec, Toffee Tec und Ragold exportieren und vertreiben täglich Kau- und Lutschbonbons, sowie Fruchtgummi in Millionenstückzahlen in die weite Welt. Wir wünschen Ihnen – wie immer – eine gute Unterhaltung.

WiFöG: Herr Schindler, Sie verfügen in einem Ihrer Unternehmen bei Sweet Tec über ein firmeneigenes Fitness-Studio. Hand auf’s Herz: Wie oft trainieren Sie selbst hier?

Schindler: In unserem Studio trainiere ich in der Regel zweimal die Woche zusammen mit einem Kick-Box-Trainer. Und dann jogge ich morgens um 6 Uhr vor der Arbeit mit meiner Frau und unserem Hund. Denn glauben Sie mir, zu zweit oder mit mehreren trainiert es sich leichter. (lächelt)

WiFöG: Das glauben wir gern. Wie kam es zu der Idee, ein Fitness-Studio für die Mitarbeiter direkt am Arbeitsplatz zu errichten?

Schindler: Nun, einerseits, weil ich denke, dass es uns allen hier ein guter Ausgleich zu unserer Arbeit mit Süßwaren ist. (lächelt) Vor allem aber bin ich davon überzeugt, dass es jedem leichter fällt, zu trainieren, wenn der Weg zur Trainingsstätte ein möglichst kurzer ist. Man muss den „inneren Schweinehund“ effektiv ausschalten. Und das gelingt deutlich besser, wenn einem die Ausreden fehlen. Übrigens möchte ich betonen, dass selbstverständlich jeder unserer Mitarbeiter dort kostenlos trainieren kann, ganz gleich aus welchem Unternehmen.

WiFöG: Sie sprachen es ja gerade an: Zu Ihrer Unternehmensgruppe gehören mehrere Unternehmen. Unter anderem die Ragolds GmbH, die Sweet Tec GmbH und die Toffee Tec GmbH, die alle ihren Sitz in Boizenburg haben – jedoch erkennbar separat. Laufen alle Unternehmen gleichauf nebeneinander oder gibt es innerhalb der Firmen eine Art Hierarchie? Und inwieweit gibt es Symbiosen, die Sie nutzen?

Schindler: Die laufen grundsätzlich gleich berechtigt nebeneinander. Und ja, selbstverständlich gibt es hier und da Symbiosen. Beispielsweise bei der Buchhaltung, aber auch bei dem wichtigen Thema „Logistik und Lager“. Hier kümmern sich einzelne Bereiche unserer Unternehmensgruppe um die Anforderungen aller Unternehmen. Das funktioniert so sehr gut.

„Es ist wahrscheinlich im Nachhinein leicht zu sagen: „Das ist ja klar, dass es so kommen musste.“ In Wahrheit war das ein sehr langwieriger Prozess, der auch sehr viele Tücken hatte.“

WiFöG: Der Ursprung der Unternehmensgeschichte von Ragold nahm seinen Anfang vor über 131 Jahren. Seit gut 82 Jahren befindet sich das Unternehmen im Besitz Ihrer Familie. Wussten Sie schon als Kind, dass Sie eines Tages dazu auserkoren seien, die Firmengeschicke zu leiten?

Schindler: Als Kind war mir das vielleicht noch nicht ganz klar. Aber als ich jugendlich war und schließlich als ich erwachsen wurde hat sich die Erkenntnis in mir durchsetzen können, dass ich in diesen Bereich auch einsteigen werde. Es ist wahrscheinlich im Nachhinein leicht zu sagen: „Das ist ja klar, dass es so kommen musste.“ In Wahrheit war das ein sehr langwieriger Prozess, der auch sehr viele Tücken hatte.

WiFöG: Wie darf man sich überhaupt die Kindheit eines Bonbon-Fabrikantensohnes vorstellen?

Schindler: Mit Bonbons im Munde … (lacht herzlich) Nein, mal ganz im Ernst: Ich hatte sicherlich nicht eine „Jedermann-Kindheit“. Meine Eltern hatten sehr viel zu tun mit der Firma und ich bin dann irgendwann im Internat gewesen. Eine Erfahrung, die durchaus hilfreich war – denn ab da habe ich das „Zuhause sein“ mehr geschätzt. (lächelt) Ansonsten habe ich immer schon recht viel Sport getrieben.

WiFöG: Welche Sportarten waren Ihre Favoriten?

Schindler: Zu allererst Fußball. Ich war recht gut in der Abwehr und auch im Tor. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Dazu war ich Leichtathlet.

WiFöG: Gehen Sie diesen Sportarten auch heute noch nach?

Schindler: Fußball eher nicht mehr. Leichtathletik nur insofern, als dass sie eine Basis meines Trainings ausmacht. Heute bin ich fasziniert vom Kickboxen. (lacht herzlich)

WiFöG: Täglich verlassen millionenfach Kau- und Lutschbonbons bzw. Toffees Ihre Werke. Sie sind einer der größten und wichtigsten deutschen Exporteure für Süßwaren. Haben Sie selbst als Kind gern und ausgiebig genascht?

Schindler: Oh ja! (lacht) Das habe ich wohl und das mache ich immer noch sehr gern. Aber selbstverständlich habe ich mich insgesamt doch sehr ausgewogen ernährt. Und ich war eben auch sehr viel in Bewegung.

WiFöG: Die Ansiedlung Ihrer Unternehmen hier bei uns in den Jahren 2004 und 2005 war maßgeblich Ihre Entscheidung. Wie gut kannten unsere Region, als Sie sich ansiedelten?  

Schindler: Ehrlich gesagt: kaum bis gar nicht. Damals gab es aber bereits einen guten Freund von mir hier „oben“ – Herbert Mederer.

WiFöG: Der Chef von Trolli …

Schindler: Ganz genau der. Er war schon eine Weile hier und empfahl mir die Gegend. Davor war der Norden Deutschlands für mich eher so etwas wie „unbekannterer Raum“. Klar, ich kannte Hamburg und auch Fehmarn. Aber so richtig kannte ich mich hier nicht aus. Wenn Herbert Mederer nicht so sehr geschwärmt hätte, wer weiß, wo es uns dann hingezogen hätte. (lächelt)

WiFöG: Welche Alternativen hatten Sie denn im Auge?

Schindler: Konkreter gab es nichts, weil ich mich dann auch recht schnell entschieden habe. Grundsätzlich aber wollte ich in die „neuen“ Bundesländer. Ich wollte das Wachstum entscheidend mitgestalten. Und das ist auch recht gut gelungen.

WiFöG: Wie wurden Sie damals aufgenommen? Hatten Sie von Anfang an das Gefühl als jemand aus dem Südwesten im Nordosten „willkommen“ und heimisch  zu sein?

Schindler: Absolut. Angefangen von den politischen regionalen und kommunalen Entscheidungsträgern, über Unternehmen wie die Wirtschaftsförderung. Alle Beteiligten halfen mit. Es gab sehr schnell sehr gute Kontakte ins Wirtschaftsministerium, sodass ich gleich zu Beginn der Überlegungen und der ersten Kontaktphasen den Eindruck gewann, hier gewollt zu sein. Das war ein wichtiges  Zeichen des  Vertrauens für mich.

„Ist man ein offener Mensch, dann begegnet einem auch Offenheit. Quasi: So wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder heraus.“

WiFöG: Und die viel zitierte „Sturheit“ der Mecklenburger – ist die Ihnen gar nicht begegnet?

Schindler: Im Gegenteil – ich denke, das ist ein Klischee. Die mag es geben, so wie eigentlich überall. Ich habe so etwas jedenfalls nicht gespürt. Vielleicht spielt es aber auch eine Rolle, wie man selbst ist bzw. wie man selbst an eine Sache und auch an Menschen herangeht. Ist man ein offener Mensch, dann begegnet einem auch Offenheit. Quasi: So wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder heraus.

WiFöG: Sie selbst leben in Hamburg – fühlen Sie sich nach so langer Zeit mittlerweile als richtiger Norddeutscher?

Schindler: Ach ja. Wahrscheinlich schon. Ich würde es aber nicht so auf nord- oder süddeutsch münzen. Ich fühle mich hier sehr wohl. Das ist für mich entscheidend.  

WiFöG: Ihre Unternehmen sind stets dabei, neue Produkte für unterschiedliche Märkte zu entwickeln. Gibt es einen Trend, der sie in den vergangenen Jahren überrascht hat?

Schindler: Die Tatsache, dass sich „Bio“ mittlerweile so durchgesetzt hat. Wir hatten da schon vor Jahren die Idee, das bei uns umzusetzen. Leider jedoch waren wir damit zu früh. (lacht)

WiFöG: Das Schicksal der Visionäre …

Schindler: Sie sagen es. (lächelt) Wir konnten das damals nicht so am Markt platzieren, wie wir es uns selbst vorgestellt hatten. Wir besitzen die notwendigen Zertifizierungen und produzieren auch in dem Bereich. Aber wir haben dann entschieden, andere Verfahren zu bevorzugen – mit gutem Erfolg. Insofern bin ich da nicht traurig drüber. Insgesamt ist zu erkennen, dass der Trend immer mehr weg von den klassischen Lutschbonbons und hin zu den weicheren Kaubonbons oder Fruchtgummis geht.  

WiFöG: Als Arbeitgeber gehen Sie bisweilen unkonventionellere Wege – kürzlich gab es sogenannte Speed-Datings, um neue Mitarbeiter zu scouten. Wie kam es zu dieser Idee und wie war die Resonanz?

Schindler: Ja, das ist ein schönes Beispiel für unsere Maxime der vier A’s. Das AAAA steht für: „Alles anders als andere“. Wir wollten mit dem Speed-Dating versuchen, einerseits mehr Nähe zu potenziellen neuen Mitarbeitern zu erzeugen, andererseits wollten wir die üblichen „Verluste“ im Bewerbungsprozess minimieren, indem wir zuerst den Menschen kennen lernen und hinterher seine Qualifikationen prüfen. Grundsätzlich ist es ja so, dass jeder Recruiter seine eigene Herangehensweise an ein Bewerbungsverfahren hat. Der eine sortiert die Kandidaten so, der andere so. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Er birgt aber das Risiko, dass man dabei diejenigen übersieht, die vielleicht nicht ganz so gute Anschreiben formulieren können, dennoch wertvolle Mitarbeiter werden könnten. Daher haben wir diesen Versuch gestartet. Und ja, ich kann behaupten, dass dies für uns ein sehr erfolgreiches Unterfangen gewesen ist, das wir so auf jeden Fall fortsetzen werden.

WiFöG: Waren Sie auch selbst mit vor Ort?

Schindler: Ja und nicht nur das. Ich habe selbst sehr viele Gespräche geführt. Das gehört für mich dann auch dazu. „Nähe“ zu erzeugen, bedeutet eben auch, den „Chef“ kennen zu lernen. Mir hat das sehr viel Spaß gemacht.

„Die Zukunft erfordert es, dass unsere Mitarbeiter ein sehr großes technisches Know-how und Verständnis haben. Wir wollen unsere Mitarbeiter fördern und schulen, sodass Sie komplexere Arbeitsprozesse beherrschen und sich dadurch auch persönlich im Unternehmen entwickeln.“

WiFöG: Inwiefern spüren Sie als Arbeitgeber von über 600 Mitarbeitern auch ganz persönlich – also quasi am eigenen Leibe – dass die ganze Thematik „Fachkräftesicherung“ in den letzten 14 Jahren für starke Veränderungen am Arbeitsmarkt geführt hat.

Schindler: Das ist eines der Kernthemen überhaupt. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie die Situation damals aussah, als wir hier begannen. Die Arbeitsmarktzahlen waren wesentlich weniger rosig als heute. Ich habe schon damals die Gefahren erkannt und davor immer wieder auch gewarnt. Nicht zuletzt deshalb habe ich ja, gemeinsam mit der WiFöG, die Food Academy ins Leben gerufen (Anm. d. Red.: Die Food Academy ist ein Verein, indem die Mitgliedsunternehmen aus der Ernährungswirtschaft gemeinsam Strategien und Maßnahmen zum Thema „Fachkräftesicherung“ entwickeln). Heute beschäftigen wir uns sehr schwerpunktmäßig damit, wie wir künftig aufgestellt sein werden und wie wir als Unternehmen insgesamt wissensbasierter agieren können. Die Zukunft erfordert es, dass unsere Mitarbeiter ein sehr großes technisches Know-how und Verständnis haben. Wir wollen unsere Mitarbeiter fördern und schulen, sodass Sie komplexere Arbeitsprozesse beherrschen und sich dadurch auch persönlich im Unternehmen entwickeln.

WIFÖG: Ihre Unternehmen engagieren sich sehr auch im sozialen Bereich: Die ansässigen Sportvereine profitieren von Ihrer Unterstützung. Sie veranstalten regelmäßig Skate- oder Fußball-Feriencamps in Boizenburg. Im nicht weit entfernten Glinde haben Sie eine Akademie für Kinder ins Leben gerufen. Woher kommt dieses Engagement, das so nicht selbstverständlich ist.

Schindler: Das entspringt der Erkenntnis, dass man als Arbeitgeber auch eine Verantwortung für die Region als solches hat. Fußball beispielsweise war selbst mein Steckenpferd – da gibt es also auch eine Art Eigeninteresse. Sicher, es ist auch Werbung für uns. Aber im Kern ist es die Tatsache, dass wir hier als Unternehmen sehr gut gedeihen konnten, weil Vieles beinahe intakt war. Weil Familien mit Kindern hier leben, von denen manche der Eltern für uns tätig sind, die wir brauchen und die auch unser Engagement über die Arbeit hinaus an der einen oder anderen Stelle benötigen.

WiFöG: Apropos „Kinder“ – wie sieht Ihre Vorstellung von der Unternehmenszukunft aus: Werden Ihre Kinder später in die Unternehmen einsteigen? Oder kann man das noch gar nicht so genau abschätzen?   

Schindler: Ach ja … (lacht sehr herzlich). Schauen wir mal, wie sich das entwickelt. Klar, ich kann mir das sehr gut vorstellen. Aber in erster Linie möchte ich, dass meine Kinder das im Leben tun, woran sie Freude haben und worin sie besonders gut sind. Es liegt an mir, Strukturen zu entwickeln, die es meinen Kindern ermöglichen, die richtige eigene Entscheidung zu fällen. Und das ist gut geregelt. Und im Übrigen: Ich selbst zähle mich noch lange nicht zum „alten Eisen“ und will dementsprechend noch eine ganze Weile hier agieren … (lacht sehr herzlich) Darüber hinaus kommt ab Januar 2019 meine Frau Sonja mit ins Unternehmen und wird mich zusätzlich unterstützen können. 

WiFöG: So, Herr Schindler, nun sind wir auch schon bei der letzten Frage angelangt. Welches Ihrer eigenen Produkte ist Ihr „heimlicher Favorit“?

Schindler: Hm. (lacht) Das ist wirklich keine ganz leichte Frage. Ich glaube, das wechselt bei mir. Derzeit habe ich die zuckerfreien Bonbons für mich entdeckt. Und dann haben wir „Flecki“, das sind ganz weiche Sahne-Toffees. Für die hege ich eine „geheime“ Vorliebe. (lacht sehr herzlich)

WiFöG: Herr Schindler, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch.

Steckbrief

  • 3 Unternehmen: Ragolds GmbH, Sweet Tec GmbH. Toffee Tec GmbH
  • Über 600 Mitarbeiter
  • Ansiedlung in Boizenburg 2004/2005
  • Unternehmer des Jahres 2013
Sweet Tec GmbH / Lindhorst 4 / 19258 Boizenburg
Sweet Tec GmbH Telefon: +49(0) 3 88 47/62 43-0 / E-Mail: info@sweet-tec.de / www.sweet-tec.de

 

Sie interessieren sich für weitere Informationen zu dem vorgestellten Unternehmen, der interviewten Persönlichkeit bzw. zum WiFöG Weekender? Oder Sie kennen ein Unternehmen, bzw. eine Persönlichkeit, die Sie unbedingt in einer unserer kommenden Ausgaben präsentiert sehen möchten?

Dann nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf:

 

mb_web
Marc Brendemühl
Projektmanager Kommunikation und Marketing
+49 (0)3874 62044-18

Ihr Kommentar zum Thema

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Blog abonnieren

Abonnieren Sie unseren Blog und wir teilen Ihnen mit wenn die nächste Ausgabe des Weekenders erscheint!