Die sportliche Familie Münch – Unternehmer aus Leidenschaft

Ausgabe 30
Sa, 11/10/2018

Fenster- und Türenbauer, Tennishotel-Betreiber und mehr:

Die sportliche Familie Münch – Unternehmer aus Leidenschaft

Ute Münch war schon als Jugendliche eine begeisterte Leistungssportlerin. Ihr Mann Gerhard ebenso. Während er als Sohn einer Unternehmerfamilie bereits früh u. a. die Freuden des Segelns und des Tennisspielens genießen darf, fährt sie begeistert Renn-Kajak und gilt dabei als sehr talentiert. Als sie sich das erste Mal zufällig in der Dortmunder Fußgängerzone begegnen, ist es für beide so etwas wie die Liebe auf den ersten Blick. Schnell kommen sie zusammen, heiraten und gründen eine Familie. Mit der Wende orientiert sich der väterliche Fensterbaubetrieb der Familie Münch schon sehr früh in Richtung Nordosten. 1992 wird hier bei uns eine Niederlassung gegründet, die Gerhard Münch schwerpunktmäßig betreut. Die Münchs verbringen zunehmend mehr Zeit in Südwestmecklenburg. Sie erkunden die Region, entdecken Land und Leute, machen Bekanntschaft mit den Menschen vor Ort und schließen erste Freundschaften. Im Jahr 2000 schließlich zieht die gesamte Familie um – mit Kindern, Eltern und allem, was dazu gehört. Die Niederlassung wächst. Im Jahr 2004 befindet sich das örtliche Tennishotel in der Insolvenz – es droht die dauerhafte Schließung einer an für sich sehr außergewöhnlichen Anlage. Die Münchs übernehmen die Verantwortung und sorgen seitdem dafür, dass es hier bei uns so etwas überhaupt gibt: ein Tennis-Hotel mit insgesamt 3 eigenen Außen- und 4 Hallenplätzen. Dazu ein Sauna-Bereich, Squash-Plätze, eine Badminton-Anlage, ein großzügiges Areal für Tischtennis und ein in der Region renommiertes Restaurant. Mittlerweile sind die Kinder aus dem Haus – aber beide im Unternehmen. Die nächste Generation bereitet sich bereits auf die Verantwortung vor. Wohnort der Familie Münch und Sitz der Unternehmen: Pinnow im Landkreis Ludwigslust-Parchim.  

Es war der Vater von Gerhard Münch – Herbert Münch – der das Unternehmen Fenster Beckmann 1968, also vor 50 Jahren, in Nordrhein-Westfalen gründete. Zunächst hatte sich der umtriebige Unternehmer im Holzhandel einen Namen im Ruhrgebiet gemacht. Sein Entschluss, Kunststoff-Fenster und -Türen selbst zu produzieren und zu vertreiben, war zu jener Zeit ein mutiger Schritt. Sein Sohn Gerhard, der heute die Geschäfte führt, lernte schon früh als Kind von seinen Eltern, was es heißt, Verantwortung auch für andere zu tragen. Später, nach seinem Studium, trat er in die Firma des Vaters ein. Diese wuchs kontinuierlich und entwickelte stets neue, eigene Lösungen, um ihrer Zeit – und damit auch dem durchaus harten Wettbewerb – ein Stück weit voraus zu sein. Wettbewerb, so eine Maxime im Hause Münch, ist immer etwas, dass man sportlich angehen und auch betrachten sollte. Gerhard Münch selbst war schon von Kindesbeinen an das, was man einen Sportsmann nennt: Segeln, Tennis und sehr Vieles mehr – Herausforderungen sportlicher Art zu meistern, gehörte stets zu seinem Leben dazu. Dabei war gerade Tennis in jenen Tagen ein Sport, der nicht jedem einfach so offen stand. Auch nicht seiner Frau Ute, die ihm an einem schönen, sonnigen Tag in einer Fußgängerzone mitten in Dortmund über den Weg lief und die heute sagt, dass sie gerne bereits sehr viel früher mit Tennis begonnen hätte, wenn sie die Möglichkeiten dazu gehabt hätte.

Ein paar Jahre später passierte dann das, was deutschlandweit für einen langanhaltenden Tennis-Boom sorgen sollte. Ein 17-jähriger Rotschopf namens Boris Becker gewann im Juni 1985 im Londoner Stadtteil Wimbledon das wohl wichtigste Tennis-Turnier der Welt. Diesen Erfolg wiederholte er ein Jahr später noch einmal, während gleichzeitig die zu diesem Zeitpunkt erst 16-jährige Stefanie Graf im Damen-Tennis Einzug hielt in die absolute Weltspitze. In jener Zeit begann auch Ute Münch damit, der kleinen Filzkugel nachzujagen. Überall in Deutschland schossen neue Clubs und Vereine aus dem Boden – jedermann bekam die Möglichkeit, Tennis zu spielen. Der einstmalige „weiße“ Sport der „Privilegierten“ öffnete sich der Masse. Ute Münch nutzte die Gunst der Stunde: Sie nahm Trainerstunden und verbesserte zusehends ihr Spiel.

Als 1990 die Wiedervereinigung kam, entschied man sich frühzeitig im Familienrat, dass die Münchs eine neue Niederlassung im Nordosten eröffnen würden. Die Verbundenheit zu der Gegend hier war besonders tiefgreifend: Die Eltern von Ute Münch hatten ihre familiären Wurzeln in Südwestmecklenburg bzw. in Schwerin. Mit der Entscheidung für Pinnow als neuen zweiten Standort im Jahr 1992 war auch klar, dass auf Gerhard Münch zahlreiche Fahrten und Übernachtungen fern vom Ruhrgebiet zukommen würden. Diese Herausforderung jedoch sah er – wie seine Frau – absolut sportlich. Schließlich galt es, über Pinnow bessere Vertriebsmöglichkeiten im Norden der nun größeren Republik aufzubauen und zu entwickeln: Hamburg, Lübeck, Kiel, Schwerin, Wismar, Rostock, Greifswald, Berlin und Potsdam – ein weites Feld, dessen Urbarmachung nun in die Hände von Gerhard Münch fiel. Acht Jahre lang war die Vertriebsniederlassung in Pinnow für ihn zugleich eine Dauer-Anlaufstation sowie der Dreh- und Angelpunkt für wichtiges Neugeschäft.

Ute Münch begleitete ihn dabei immer mal wieder und mit zunehmender Tendenz. Kein Wunder: Schließlich gab es hier Vieles zu entdecken. Mit der Zeit wuchs nicht nur der Standort in Pinnow – es reifte auch der Familienentschluss, komplett umzusiedeln und in Südwestmecklenburg sesshaft zu werden. Dementsprechend mussten ein paar wichtige Angelegenheiten vorbereitet werden: Für beide Kinder mussten neue Schulen gefunden werden, die Eltern sollten nicht allein im Ruhrgebiet zurückbleiben und auch die Firmenstruktur als solche musste dem Entschluss des privaten Umzugs der Münchs, durchaus an einigen Stellen angepasst werden. Denn eines war von vornherein klar: Die Fertigung und Fabrikation sollte weiterhin in Bochum erfolgen. „Man verlegt nicht so eben mal das Leben von gut 50 hervorragenden Mitarbeitern und deren Familien um hunderte Kilometer, bloß weil man selbst es hier idealer zum Leben findet“, sagt Ute Münch. Im Jahr 2000 wurde das Vorhaben „Umzug“ schließlich in die Tat umgesetzt. Ute Münch: „Wir hatten in Pinnow gleich von Anfang an, schon bevor wir umgezogen sind, das Gefühl, zuhause und willkommen zu sein.“

Wie Ute Münch zum Tennishotel kam


Pinnow, das zu Wendezeiten in etwa 250 Einwohner hatte, zählt mittlerweile fast das Zehnfache. Insbesondere für junge Familien ist Pinnow auch heute ein reizvoller Ort zum Leben – und zum Arbeiten, wie Ute Münch betont. Mit einem Tennishotel in Ortsrandlage – also der Möglichkeit, die Passion am Sport fortzusetzen. Doch schon bald nach dem Umzug der Familie nach Pinnow muss der damalige Betreiber des Tennishotels Insolvenz anmelden. Die Pinnower – nicht nur die Münchs – sind schockiert, schließlich ist die Tennisanlage für viele im Ort ein starker Pluspunkt. Hinter den Kulissen des Insolvenzverfahrens werden auf lokaler Ebene mehrere Szenarien erörtert. Am Ende steht die Entscheidung: Ute und Gerhard Münch übernehmen, als starke Unternehmer im Ort, die Verantwortung für das Tennishotel und sichern zu, den Betrieb neu zu ordnen, ihn neu zu strukturieren und somit diesem eigentlichen Objekt mit Strahlkraft ein neues Leben einzuhauchen. Für Ute Münch bedeutet dieser Schritt in erster Linie: Ein neuer Fulltime-Job. Und eine, im doppelten Sinne, sportliche Herausforderung.

Auch sie liebt diese Herausforderungen und betrachtet eine solche unter sportlichen Aspekten: Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren. Und ein Abbruch kommt nicht in Betracht. Als Jugendliche zählte sie einst zu den ambitionierten Nachwuchshoffnungen im Kajaksport. Als Erwachsene lernte sie Tennis spielen und machte einen Segelschein. Zum Reitsport hatte sie schon immer eine hohe Affinität. Kurzum: Ute Münch krempelte die Ärmel hoch und machte sich ans Werk. Wichtige Mitarbeiter, wie den Koch Michael Jankowski, übernahm sie und lässt ihm auch heute noch weitgehend freie Hand in der Küche. Mit wachsendem Erfolg: Das Restaurant genießt einen sehr guten Ruf in der Region und wird immer mehr zu einem Anlaufpunkt mit eigener Attraktivität. An anderen Stellen reformierte sie. Beispielsweise in den Hotelzimmern. Ute Münch: „Die konnte man früher durchaus als plüschig bezeichnen. Heute sind sie sehr viel moderner. Das kommt bei den Gästen an. Und mir persönlich gefällt das auch.“ Zudem wurde das Angebot an Sportaktivitäten erweitert. Heute kann man in Pinnow neben Tennis auch Tischtennis, Squash und Badminton spielen. Zu den beiden wichtigsten Sportvereinen – dem Tennisclub und dem benachbarten Fußballverein – pflegte sie von Anfang an einen engen Draht. Früher haperte es da durchaus immer mal wieder an der Kommunikation. Dabei gehören Kommunizieren und Netzwerken zu den wichtigsten Anforderungen, wenn man ein Tennishotel im ländlichen Raum erfolgreich betreiben will. Ute Münch: „Wir arbeiten sehr gut und ebenso eng zusammen. Das ist einerseits im Interesse der Vereinsmitglieder und kommt gleichzeitig unseren Hotelgästen zugute. So können wir Gästen außerhalb der Trainingszeiten auch die Nutzung des Fußballplatzes ermöglichen.“ Und noch eine Kooperation zahlt sich immer weiter aus: Die Kinder der KiTa im Ort kommen regelmäßig zum Ballsport in die Tennishalle. Das erleichtert die Situation im Nachwuchs. Insgesamt ist Ute Münch sehr zufrieden mit der Entwicklung ihres Vorhabens, wenn es auch nicht immer leicht und einfach gewesen ist. Zumal da ganz nebenbei ja auch noch die beiden Kinder der Münchs sind.

Tochter Karoline und Sohn Robert Münch sind in Pinnow aufgewachsen und groß geworden. Sie sind Südwestmecklenburger durch und durch – wie Ute Münch betont und dann nach einer kurzen Pause und mit einem sehr breiten Grinsen ergänzt: „Für mich gilt das aber vollkommen uneingeschränkt auch!“

Der Nachwuchs übernimmt: die dritte Generation steht in den Startlöchern

Mittlerweile ist die Tochter bereits ein paar Jahre im Fensterbau-Werk in Bochum beschäftigt, der Sohn hat gerade dort begonnen. Beide wollen das Fensterbau-Unternehmen zukünftig gemeinsam leiten und weiterentwickeln. Sohn Robert plant auf jeden Fall, sich in Pinnow niederzulassen und zu leben. Die Entscheidung der Eltern war dies aber nicht, wie Ute Münch betont: „Unsere Kinder hatten und haben da freie Hand. Wir wollen, dass sie alle beide glücklich werden im Leben. Sowohl mein Mann als auch ich wissen nur allzu genau, wie viel einem die Führung eines oder gleich mehrerer Unternehmen abverlangt. Hätten unsere Kinder gesagt, dass sie lieber etwas anderes im Leben machen wollen, um damit Geld zu verdienen, wäre das für uns absolut in Ordnung gewesen.“

Was den beiden Eltern aber wichtig war, ist die Tatsache, den eigenen Kindern eine Übernahme mit möglichst reduziertem Druck zu ermöglichen. Einerseits durch eine gute und geordnete Einarbeitung, andererseits dadurch, dass bereits Vorkehrungen getroffen wurden, den eigenen finanziellen Bedarf im Alter nicht von den Unternehmungen der Kinder abhängig zu machen. Damit kann die nächste Generation von Anfang an eigenständig entscheiden, frei handeln und alle Herausforderungen meistern. Sportlich – versteht sich.

Steckbrief

  • Beckmann GmbH gegründet 1968 in Bochum
  • Seit 1992 Niederlassung in Pinnow
  • 50 Mitarbeiter in Bochum, 25 Mitarbeiter in Pinnow
  • Geschäftsführung: Gerhard, Karoline & Robert Münch
  • Tennishotel und Sportpark Pinnow GmbH gegründet 2004 in Pinnow
  • 6 feste Mitarbeiter
  • Geschäftsführung: Ute Münch
BECKMANN GmbH / Zum Petersberg 31a / 19065 Pinnow
Telefon: +49 (0)3860 718 / E-Mail: beckmannpinnow@gmx.de / Web: www.fensterfabrik-beckmann-gmbh.de

 

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mb_web
Marc Brendemühl
Projektmanager Kommunikation und Marketing
+49 (0)3874 62044-18

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