Britta Kremke und die außergewöhnliche Geschichte von Wolle und Garn

Ausgabe 49
Sa, 08/31/2019

Langfristig auf Erfolg gestrickt:

Britta Kremke und die außergewöhnliche Geschichte von Wolle und Garn

Britta Kremke ist quasi von Geburt an mit Wolle aufgewachsen. Ihre Mutter führte einst ein Fachgeschäft für Woll- und Strickwaren in Hamburg. Sie selbst war die jüngste Inhaberin eines solchen Fachgeschäfts, das sie bei Lüneburg mit gerade mal 21 Jahren eröffnete. Woll-Qualität beurteilen? Für sie kein Problem. Stricken? Kann sie selbstverständlich. Den Markt einschätzen und Trends reflektieren? Nichts leichter als das. Dennoch dauerte es einige Zeit, ehe sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Werbe-Fachmann Carsten Kremke, im Jahr 2010 den Startschuss für einen Woll-Onlinehandel in unserer Region wagte. Unter den Markennamen „Schmeichel-Garn“ bzw. „Schmeichel-Partner“ finden qualitätsbewusste Hobby-StrickerInnen und Fachhändler, wonach Ihnen das Herz schlägt. Mittlerweile gehören das Unternehmen und Britta Kremke zu den wichtigen Playern in diesem Bereich. Ihre Kunden sind vornehmlich Distributoren und Händler aber auch Konsumenten aus aller Welt. Die Kremkes spielen international eine gewichtige Rolle. Sitz des Unternehmens: Garwitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Wir beginnen unsere Geschichte dort, wo sie eigentlich beginnt: in Britta Kremkes früher Kindheit. Dafür drehen wir die Zeit ein wenig zurück und begeben uns zunächst nach Hamburg. Kremkes Mutter führte nämlich genau dort ein renommiertes Woll-Fachgeschäft. Dort kauften vornehmlich Kennerinnen, was sie zum Stricken benötigten. Schon als kleines Mädchen lernte Britta Kremke daher zu stricken: „Die Zeiten haben sich seitdem natürlich sehr verändert. In den Jahrzehnten nach dem Krieg wurde viel gestrickt, weil es einfach günstiger und vielfach auch robuster war – also langlebiger, wenn man beispielsweise einen gut gestrickten Pullover sein eigen nennen durfte“, sagt Kremke mit einem feinen Lächeln. Heute hingegen strickten die Menschen, weil es ihnen ein wertvolles Hobby sei. Insbesondere Kleidungsstücke und Accessoires aus edlen Materialien wie Kaschmir, Seide oder auch Alpakawolle stünden sehr hoch im Kurs, sagt Kremke. Dementsprechend käme es vielen der aktuell Strickenden weniger auf eine etwaige Preisersparnis an, als vielmehr auf ein tolles Strickerlebnis, die Herkunft und auch die Nachhaltigkeit der Produkte. Überhaupt erlebe das Stricken seit etwa 10 Jahren eine wahre Renaissance: „Es ist wunderbar zu erleben, wie viele Menschen unterschiedlichen Alters ihre Freude an diesem sehr traditionellen Hobby entdeckt haben. Und wie sehr gerade auch die sozialen Medien dazu beitragen, dass Strick-Fans weltweit miteinander ihre Designs und Werke teilen und voneinander lernen“, sagt Kremke, die selbst eine gewisse Zeit lang so gut wie weg war von Wolle und Garnen. Und das, obwohl ihre Karriere in dieser sehr besonderen „Welt“ ganz ambitioniert begann.

Der Weg zum Ziel verläuft nicht immer schnurgeradeaus

Mit gerade einmal 21 Jahren gründete und eröffnete sie nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau bei Lüneburg – natürlich inspiriert durch die Mutter – ihr eigenes Fachgeschäft für Wolle. Schon damals schwebte ihr vor, Wolle an vorwiegend junge Menschen zu bringen. Die Idee, anders zu sein, als die meisten anderen ihrer Branche war eigentlich keine schlechte Idee in einer Universitätsstadt wie Lüneburg. Dennoch schaffte sie es damals nicht wirklich, Erfolg zu haben. Unglücklicherweise startete sie ihr Geschäft als der Strickboom der frühen Achtziger auf dem Höhepunkt und auch schon wieder am Abflauen war und zur gleichen Zeit zwei Geschäfte in der Umgebung eröffneten. „Ich war einfach zu unerfahren, schloss den Laden und zog mich aus diesem Business zurück“, sagt Kremke nachdenklich. Sie studierte Englisch und anschließend noch Betriebswirtschaftslehre, arbeitete als Geschäftsführerin und Englischdozentin. Die Liebe zur Wolle und zum Hobby „Stricken“ aber blieb.

Neben der Wolle gab es eine neue Liebe im Leben der Britta Kremke. Carsten, seines Zeichens Wirtschaftsingenieur und Computerfachmann, trat in ihr Leben. Gemeinsam zog es die beiden 1990 ostwärts nach Parchim. Dort arbeiteten sie beide zunächst in der beruflichen Weiterbildung. Sie als Dozentin für Englisch. Er für EDV und BWL. 1992 stand das frühere Ferienlager in Garwitz an der Elde zum Verkauf. Die beiden schlugen kurzerhand zu und nutzten die auf dem Gelände befindlichen Blockhäuser als Unterkünfte – für Seminarteilnehmer und Dozenten. Zwei größere Gebäude fungierten als Seminar- bzw. Unterrichtsräume. Im Jahr 1997 gründeten die beiden zusätzlich zum Trainingsinstitut eine Marketingagentur. Heute leben und arbeiten die beiden auf dem Gelände, inmitten von Bildern des Malers und Tenors Carlo Cazals, dessen Werke Britta und Carsten Kremke treuhänderisch verwalten. In den Blockhäusern wohnen heute hin und wieder Geschäftsfreunde, Künstler und Designer. Viel von dem, was die Kremkes bewegten, war Projektgeschäft. Mal war mehr zu tun. Manchmal auch etwas weniger. So, wie es im Projektgeschäft eben ist. Meistens lief alles rund.

In jener Zeit der vielen Projekte entdeckte Britta Kremke ihr Interesse am eCommerce und den Möglichkeiten der Google-Werbung. Ihr Bauch sagte ihr, dass es einen aufkommenden Trend um das Stricken gab. Und auch Ihr Mann, der sich eher als kopf- denn als bauchgesteuert bezeichnet, sah dort eine Chance. Die beiden entschieden, einen Versuch wagen zu wollen: Mit dem „Schmeichelgarn-Shop“ entstand ein Versandhandel, der sich an strickbegeisterte Endverbraucher richtete. Eine vorzügliche Idee. Zumal in der eigenen Werbeagentur bereits erfolgreich Shopsysteme für externe Kunden programmiert wurden. Lagerkapazitäten waren in der Region mehr als ausreichend vorhanden. Und mit dem Spürsinn und dem Wissen von Britta Kremke, der Online-Expertise ihres Mannes und einigen sehr guten Ideen, die beide zusammen anschoben, entstand eine Marke, die bereits nach kurzer Zeit die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg der beiden Unternehmer legte. Britta Kremke: „Heute können wir sagen, dass wir zur richtigen Zeit die richtige Idee hatten. Und den technischen Vorsprung und das Marketing-Know-how, um überall gut gelistet zu sein bzw. reibungslose Verkäufe zu erzielen.“ Schnell kamen große Hersteller aus dem asiatischen Raum und aus Übersee auf die Woll-Expertin zu, mit dem Wunsch, die Kremkes als Distributoren zu gewinnen.

Lokale Verankerung und globale Ausrichtung 

Die Geschäfte nahmen immer weiter Fahrt auf. Und der entscheidende Schritt gelang, als sich das Paar dafür entschied, selbst als Hersteller zu agieren und so im weltweiten Handel sehr deutlich wahrgenommen zu werden. Die Übernahme des dänischen Herstellers BC GARN befeuerte das Wachstum. Britta Kremke: „Wir werden ganz anders wahrgenommen, seit wir mit zwei eigenen Marken auf dem Markt sind. Und ja, das macht uns stolz aber auch ein bisschen ängstlich. Eigentlich fühlten wir uns „unterm Radar“ ganz wohl.“ Im vergangenen Jahr reiste Britta Kremke wie in jedem Jahr zur größten und wichtigsten Handarbeits-Messe in den USA. Anders als sonst, gönnte sie sich zuvor noch knapp drei Wochen Urlaub mit ihrem Mann, in denen die beiden durch die Vereinigten Staaten tourten. Zielpunkte waren Orte mit Geschäften für Strickzubehör. „In den USA boomt Stricken dermaßen, das ist wirklich ein riesiger Trend dort“, sagt Britta Kremke. Wie eine Spionin schlich sie sich in die dortigen Geschäfte. Einfach mal den Blick schweifen lassen und schauen, was die Wettbewerber so im Endkundenbereich zu bieten haben. Das Ergebnis überraschte sie nachhaltig. Denn in vielen Geschäften, und vor allem in den richtig trendigen, wurden Garne ihrer Marke verkauft. „Dass unsere Marken in den USA doch schon so verbreitet sind, war uns vorher gar nicht bewusst, denn dort läuft alles über einen Distributionspartner.“ Wenn die Ladenbesitzerinnen mitbekamen, wer die beiden Deutschen waren, die dort in Shorts und Sandalen durch den Laden stöberten, war die Begeisterung groß. „Dürfen wir ein Foto mit Ihnen machen und veröffentlichen? Die Herzlichkeit, mit der man uns dort begegnete, das machte mich manchmal ganz sprachlos. Und das hat uns sehr berührt“, sagt sie nachdenklich.

Weltweit sind sie zu haben – die Woll- und Garnprodukte „Invented in Südwestmecklenburg“. Junge internationale Designer aus der Szene, zum Beispiel letztes Jahr aus Japan, kommen zu Besuch, um im wunderschönen Eldeland bei den Kremkes mit deren Erzeugnissen innovative, moderne Designs zu entwerfen. „Das ist für uns sehr spannend“, betont Britta Kremke. Wenn sie ab und an die Zeit hat, auf Instagram oder YouTube zu verfolgen, was weltweit mit ihren Produkten entsteht, dann ist sie glücklich. Und auch, wenn die Tatsache, dass man selbst keine Angebote vor Ort für Endverbraucher anbiete, so gewinnt man den Eindruck, dass das kleine idyllische Garwitz so etwas ist, wie ein wichtiger Standort des globalen, internationalen Wollhandels.

„Die Firma ist schon so etwas wie unser Kind“, sagt die Unternehmerin Britta Kremke. Eines, das mittlerweile längst aus den Kinderschuhen erwachsen sei und sich in der Welt behaupten müsse – der Welpenschutz sei vorbei. Was die Zukunft bringen wird? Wenn sie überhaupt jemals noch einmal etwas anderes würde machen wollen, dann vielleicht die Gründung eines Dachverbandes für die Wollbranche – oder vielleicht doch das Hobby „Kunst“ zur Hauptbeschäftigung machen? „Wer weiß, was sich noch so ergibt – eines aber weiß ich gewiss: Langweilig wird uns nicht werden“, sagt sie vergnügt lächelnd. Es sei eben ihr Erfolgsweg – der gestrickt sei aus vielen Ideen.

Steckbrief

  • Seit 1992 in Garwitz ansässig
  • Start des Woll-Onlinehandels: 2010
  • Lager in Neustadt-Glewe
  • Mitarbeiter insgesamt: 14
Schmeichel-Partner c/o // Kremke Handelsgesellschaft mbH // Am Kanal 4 // 19372 Matzlow-Garwitz
Tel. +49-(0)38722-227-22 // Fax +49-(0)38722-227-50 // web: www.schmeichel-partner.de

 

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Marc Brendemühl
Projektmanager Kommunikation und Marketing
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