Auf einen Kaffee mit Marten Lange

Ausgabe 47
Sa, 07/20/2019

Und Action bitte:

Auf einen Kaffee mit Marten Lange

Marten Lange wuchs in Crivitz auf, wo er auch heute lebt und arbeitet. Nach seiner Schulzeit absolvierte er in Schwerin eine Ausbildung zum Kameramann und arbeitet seit einigen Jahren sehr erfolgreich selbstständig. Seine Auftraggeber buchen ihn entweder um Filme zu produzieren oder aber als Fotografen bzw. Designer. Vor eineinhalb Jahren ging Lange an Bord der AIDA, um dort das Bord-TV-Programm zu gestalten. Nach seiner Rückkehr erfüllte sich der Spezialist für besonders rasante Filmsequenzen seinen Traum und baute sich ein TV-Studio nebst Schlafplatz auf Rädern, mit dem er oft und viel im In- und Ausland unterwegs ist. Wir trafen Marten Lange in seinem Büro in Crivitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

WiFöG: Herr Lange, Sie sind Filmemacher. Sie führen Regie und sind gleichzeitig auch der Kameramann. Wenn Sie unterwegs sind – ganz gleich ob zu einem Dreh oder einfach so privat – betrachten Sie die Landschaft stets als eine mögliche Location für ein künftiges Projekt?

Lange: Oh ja, das kann man in der Tat so sagen. Egal wann und wo. Wenn ich irgendwo bin und ich sehe dann beispielsweise eine Wiese, auf der ein großer Baum wächst, dann arbeitet mein Kopf und ich überlege, wen oder was man dort idealerweise platzieren könnte. Welche Einstellung man wählen sollte, wie das Licht beschaffen sein sollte… Leider habe ich dann nicht immer etwas dabei, um mir das alles zu merken. Aber spätestens, wenn ich die Gelegenheit dazu habe, speichere ich mir solche Orte dann auf Google Maps ein.

WiFöG: Neben Filmarbeiten bieten Sie Ihren Auftraggebern auch Fotografie und Design an. Zudem sind Sie im Street-Art-Bereich sehr aktiv. Was genau machen Sie da?

Lange: Ich bin schon sehr lange im Graffiti aktiv – ungefähr seit meinem 12. Lebensjahr. Dabei geht es mir um die Kunst, Worte oder Formen lebendig zu machen und mit eben diesen zu spielen. Ich habe damit früher oft Gedanken in einem Wort zusammengefasst und so zunächst auf Papier verarbeitet. Nach Aufträgen an Fassaden oder in Räumen und viel Kontakt mit meiner alten Schule, habe ich mich dazu entschlossen, einen Kurs an eben dieser anzubieten. Dabei geht es mir darum, den Kindern und Jugendlichen die Lust an der Kunst näher zu bringen und bereits „Infizierte“ davon zu überzeugen, dass Aktionen an genehmigten Flächen sinnvoll sind und mehr Zeit für wirklich schöne Bilder bieten. Ich bin gespannt, wie sich dieser Kurs entwickelt und bin immer wieder überrascht, welche neuen Einflüsse diese kreative Runde auch mir gibt.

"Für mich ist es so, dass ich – sobald die Kamera läuft – wie in einem Tunnel bin. Da blende ich andere Dinge dann komplett aus."

WiFöG: Im Filmbereich arbeiten Sie mittlerweile seit sieben Jahren. Wie kam es dazu?

Lange: Eigentlich eher zufällig. Ich habe durch mein Elternhaus eine gewisse Nähe zur audiovisuellen Arbeit gehabt. Mein Vater, der mich in dieser Hinsicht sehr stark geprägt hat, arbeitet beim Hörfunk. Schon als Kind hat mich dieser Bereich sehr interessiert. Zumal er auch privat über eine sehr gute Aufnahmetechnik verfügte, was mich sehr fasziniert hat. Allerdings hat mich das Fernsehen stärker noch interessiert als beispielsweise der tontechnische Bereich. Ich habe dann meine Ausbildung bei dem Lokalsender TV Schwerin absolviert – das war eine harte Schule, weil ich mir dort sehr viel selbst erarbeiten musste. Dafür habe ich dementsprechend auch sehr viel gelernt. Ich durfte ab der ersten Woche praktisch arbeiten, wurde quasi ins kalte Wasser geworfen. Bei den großen Sendern wäre das nahezu unvorstellbar.

WiFöG: Gab es da Ihrerseits Befürchtungen, den Anforderungen nicht gerecht zu werden?

Lange: Man könnte es auch Angst nennen. (lacht sehr herzlich) Aber mal im Ernst: Ich wusste anfangs nicht so recht, wie ich selbst rüberkomme. Bin ich professionell genug? Mache ich Fehler? Mit der Zeit habe ich mir eine große Ruhe erarbeitet, weil ich merkte, dass ich die Drehs beherrschte und das man von allen Seiten her mit den Ergebnissen meiner Arbeit recht zufrieden war. (lächelt)

WiFöG: Gab es bei einem Dreh schon mal eine Situation, in der Sie selbst dachten: „Auweia – was mache ich hier gerade?“

Lange: Das nicht unbedingt. Eher ist es so, dass sich andere das vielleicht manchmal fragen. Beispielsweise, wenn ich bei einem Motorsport-Event drehe und dann der Meinung bin, ich sollte unbedingt als Beifahrer in einen Rennwagen oder ein Driftauto steigen. Oder mit in einem 1000-PS-Wagen bei einem Beschleunigungsrennen sitzen, damit ich dort gute Aufnahmen für die Produktion machen kann. Da halten mich manche Außenstehende für ein wenig wagemutig. (lacht sehr herzlich) Aber spätestens dann, wenn sie die Bilder sehen, verstehen sie mich. Und ich selbst denke erst sehr viel später: Hoppla, da hast Du Dir aber schon echt etwas zugemutet.

WiFöG: Das klingt sehr spektakulär …

Lange: Für mich ist es so, dass ich – sobald die Kamera läuft – wie in einem Tunnel bin. Da blende ich andere Dinge dann komplett aus. Da bin ich konzentriert auf die Perspektive und den richtigen Bildinhalt.

WiFöG: Wie sehen Sie sich selbst: eher als einen Kreativen oder als Handwerker?

Lange: Ich denke, ich bin beides. Und beides sehr gern. (lächelt) Zunächst bin ich der Kreative – die Bilder müssen im Kopf entstehen und dort schon einen Sinn und Ablauf ergeben. Dann wiederum bin ich eindeutig Handwerker, sobald es an den Dreh und den Videoschnitt geht. Wobei ich auch schon manchmal vor einem Dreh handwerklich tätig werde – dann nämlich, wenn ich mir meine Ausrüstung speziell auf bestimmte Gegebenheiten hin zurechtbaue.

WiFöG: Geboren in Rostock, aufgewachsen und zur Schule gegangen sind Sie in Crivitz, wo sich auch Ihr Unternehmenssitz befindet. Hatten Sie nie den Gedanken, irgendwann mal wegzuziehen aus der Region? In Richtung einer der Metropolen?

Lange: Hm. Ich denke, dass man sich in meiner Branche grundsätzlich mit diesem Gedanken beschäftigen muss. Für mich habe ich aber entschieden, dass ich selbst nicht von hier weg möchte. Ich liebe diese Gegend, in der ich aufgewachsen bin. Und es gibt hier unheimlich viele Menschen, die ich nicht missen möchte. Von daher kann ich also beruhigt sagen: Ich bin hier und ich bleibe hier. Des Weiteren ist es ja auch so, dass ich ab und zu in der einen oder anderen Metropole für Dreharbeiten bin. Und wenn mir persönlich mal danach ist, dann kann ich mich doch jederzeit mit meiner Ration „Großstadt“ versorgen. Aber danach freue ich mich immer wieder, nach Hause zu kommen!

WiFöG: Bis vor etwa einem Jahr waren Sie für eine längere Zeit an Bord der AIDA und haben dort das Bord-TV gestaltet. Wie war diese Erfahrung für Sie?

Lange: Das war unglaublich spannend. Vor allem das Leben an Bord und die Tatsache, dass man Menschen dort ganz anders kennenlernt als im “normalen“ Arbeitsleben. 24 Stunden am Tag mit damals 650 Kollegen auf engstem Raum. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. Und es sind aus dieser Zeit auch sehr wertvolle Freundschaften entstanden.

WiFöG: Nach Ihrer Rückkehr von Bord der AIDA haben Sie einen Plan entwickelt und in die Tat umgesetzt: Sie haben sich ein mobiles, Wohn-Studio auf 4 Rädern entworfen, mit dem Sie regelmäßig unterwegs sind. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Lange: Ich werde regelmäßig zu Festivals, meistens im Motorsport- bzw. Tuning-Bereich, als Videoproduzent gebucht. Das ist etwas, was ich leidenschaftlich gern mache. Fast immer jedoch bedeutete das, sich irgendwo eine Ecke für ein Feldbett zu suchen und dort dann neben seiner Technik zu schlafen. Ein Hotel in der Nähe wäre einfach durch den Ansturm der Leute zu teuer, zu weit weg und man bekommt nichts davon mit, wenn am Drehort spontan etwas passiert – kann es also auch nicht filmen. Daher hatte ich die Idee mit dem mobilen Büro inkl. Bett. Den Ausbau habe ich selbst durchdacht, nach meinen Ideen und Plänen im 3D-Modell entworfen und dann umgesetzt. Ich muss sagen: Ich liebe es. Und ich bin auch sehr stolz darauf. (lächelt)

WiFöG: Hatten Sie anfangs Respekt vor der Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen und sich damit selbstständig zu machen?

Lange: Absolut, ja. Ich bin zwar mit den Kernaufgaben gut vertraut gewesen - aber als Selbstständiger übt man plötzlich gleich mehrere Tätigkeiten aus. Vom Booker, der die Aufträge reinholt über den Produzenten, der Filme plant und umsetzt, bis zum Buchhalter, der die Zahlungseingänge verfolgt. Und davor hatte ich selbstverständlich einen großen Respekt. So richtig klar wurde mir das auch nur nach und nach. Ich schätze mich jedoch sehr glücklich, eine tolle Familie hinter mir zu wissen, die mir nie das Gefühl gab, den falschen Weg gewählt zu haben. Mittlerweile habe ich mich eingelebt. Es ist halt schon sehr viel Arbeit. Aber liebe, was ich tue – sonst hätte ich wahrscheinlich ein echtes Problem. (lächelt)  

WiFöG: Haben Sie den Eindruck, dass da ausreichend Zeit für Freunde und Familie bleibt? Und wie reagieren diese, wenn Sie eine lang geplante Verabredung kurzfristig absagen müssen, weil ein lukrativer Auftrag hereinkommt?

Lange: Also, ich sage es mal so: Manchmal hätte ich gern mehr Zeit. Andererseits ist es ja so, dass ich, wenn ich nicht hier selbstständig sein könnte, mit Sicherheit irgendwo anders leben und arbeiten müsste. Und dann hätte ich im Vergleich doch sehr viel weniger Zeit für eben diese Freunde und Familie. Insofern ist das für mich okay. Glücklicherweise akzeptiert sowohl die Familie als auch der Freundeskreis, dass es bei mir Phasen gibt, in denen ich nicht zu sehen bin. Die wissen, dass mich das glücklich macht und dass es gut für mich ist, wenn ich möglichst eine hohe Auslastung habe.

"Zunehmend beobachte ich, dass auch von Auftraggebern, die nicht von hier stammen, als sehr lässig empfunden wird, nicht in der Großstadt zu leben."

WiFöG: Kommen wir auf Ihre Heimatregion – Südwestmecklenburg – zu sprechen. Sie haben im Rahmen einer Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur die Imagefilme für die Standortvermarktung unseres Landkreises übernommen. War das für Sie besonders reizvoll, weil es dabei um die Darstellung Ihrer Heimat ging?

Lange: Auf jeden Fall! Ich habe es ja bereits betont, dass ich selbst hier total gerne lebe. Und für mich ist das auch ein sehr guter Standort. Insofern hat ein Auftrag, in dem das vermarktet wird, was ich selbst liebe und schätze, einen ganz außergewöhnlich hohen Anreiz für mich. Ich war also von Anfang an Feuer und Flamme und war sehr bedacht darauf, eine möglichst ober-perfekte Arbeit abzuliefern.

WiFöG: Das ist Ihnen sehr gut gelungen, wie wir meinen. Konnten Sie dabei selbst für sich Neues entdecken? Oder waren Ihnen die meisten Drehorte bereits bekannt?

Lange: Nein, ich habe in der Tat so manchen Ort dabei entdeckt, den ich entweder noch gar nicht kannte – oder den ich noch nicht so auf dem Schirm hatte. Beispielsweise die Dreharbeiten bei SweetTec waren sehr spannend, weil mir vorher gar nicht bewusst war, wie riesig eigentlich diese Produktion ist und was da pro Tag so durchläuft. Und so gab es sehr viele Momente während der Dreharbeiten, bei denen ich mich freute, weil ich selbst etwas neu entdecken konnte.

WiFöG: Wie beschreiben Sie selbst jemandem, der Sie danach fragt, wo Sie eigentlich herkommen, Ihre Heimat?

Lange: Meistens beschreibe ich da ja meinen Heimatort Crivitz. Dann sage ich: Ganz in der Nähe von Schwerin gibt es ca. 15 Kilometer östlich eine kleine Stadt. Wenn ich über die Region spreche, sage ich meist, dass es bei uns sehr viel Wald und Seen gibt und man seine Ruhe hat – entspannt die Vögel zwitschern hört, wenn man nach einem lauten und stressigen Event zu Hause wieder ankommt. Dass es sehr schön hier ist. Dass wir tolle Unternehmen haben. Und dass es nicht ganz so weit bis zur Ostsee ist. Zunehmend beobachte ich, dass dies auch von Auftraggebern, die nicht von hier stammen, als sehr lässig empfunden wird, nicht in der Großstadt zu leben. Für viele meiner Gesprächspartner scheint es ein Ziel sein zu können, so zu leben, wie wir das hier tun.

WiFöG: So, Herr Lange, nun sind wir schon bei der letzten Frage angelangt: Stellen Sie sich vor, ein großer Hollywood-Regisseur riefe Sie an und würde Sie darum bitten, als Kameramann bei einer seiner Produktionen mitzuwirken. Bei welchem Regisseur würden Sie sofort zusagen, ohne lang darüber nachzudenken?

Lange: Tja, das ist zunächst schwer zu beantworten, weil mich die Kameramann-Tätigkeit bei einer großen Hollywood-Produktion nicht so reizen würde. Man ist da dann nämlich zumeist „nur“ der Erfüllungsgehilfe und kann nur äußerst begrenzt mit seiner Fertigkeit glänzen. Außerdem habe ich auch keine wirklichen Regisseur-Vorbilder, wie ich offen gestehen muss. Aber, wenn ich die Chance hätte, beispielsweise bei einem Film mit Jean Reno oder Al Pacino mit dabei zu sein – und sei es nur, um einem der beiden während der Drehpausen ein Glas Wasser zu reichen, dann würde ich das sofort tun. Und dabei würde ich dann versuchen, so viel wie möglich vom Set zu sehen und von der Arbeitsweise und Herangehensweise mitzunehmen.

WiFöG: Herr Lange, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch. 

 

Steckbrief

  • Gründung: 2015
  • Produktion von Imagefilmen, Musikvideos und Eventfilmen
  • Luftaufnahmen (Foto & Video) per Drohne
  • Fotografie und Foto-Design
  • Street-Art-Design und Workshops mit Kindern und Jugendlichen
  • Spezialist im Bereich Motorsport und Autotuning
SKRmedia // Marten Lange // Medienproduktion // Fronereiweg 1 // 19089 Crivitz
Telefon: +49 (0)151 55 446 188 // E-Mail: info@skrmedia.de // Web: www.skrmedia.de // www.facebook.com/skrmed1a/

 

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Dann nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf:

 

mb_web
Marc Brendemühl
Projektmanager Kommunikation und Marketing
+49 (0)3874 62044-18

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