Auf einen Kaffee mit Philipp Eisermann

Ausgabe 46
Sa, 07/06/2019

Entdecker, Rückkehrer, Top-Fotograf:

Auf einen Kaffee mit Philipp Eisermann

Philipp Eisermann wuchs in einem kleinen Dorf in der Nähe von Lübz auf. Im Alter von nur 6 Jahren verließ er seine Heimat, um ein Spezialinternat für Hörgeschädigte in Braunschweig zu besuchen. Dort reifte in ihm der Entschluss, Fotograf werden zu wollen. Er hospitierte und praktizierte an vielen unterschiedlichen Orten. Er ging zunächst nach Berlin und später ins Ruhrgebiet und wurde ein erfolgreicher freier Fotograf. Seit beinahe einem Jahr lebt der 25-jährige wieder in seiner Heimatregion – auf einem Gutshof nahe der Elbe. Von hier aus betreibt Eisermann sein Business und zieht regelmäßig los in die Metropolen und die entlegenen Winkel dieser Welt, um Fotos zu machen. Sitz seiner Unternehmung: Teldau im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

WiFöG: Herr Eisermann, Sie sind Fotograf. Haben Sie eigentlich immer eine Kamera zur Hand – auch, wenn Sie privat unterwegs sind?

Eisermann: Hm. Also wenn ich einkaufen bin, dann habe ich normalerweise keine Kamera dabei. (lächelt) Wenn ich jedoch weiß, dass ich mal länger unterwegs bin – beispielsweise dann, wenn ich Freunde in Hamburg oder Berlin besuchen fahre, habe ich immer eine Kamera dabei. Ob sie dann zum Einsatz kommt, kann ich vorher nie genau sagen. Griffbereit wäre sie aber. (lächelt)

WiFöG: Und kennen Sie das Gefühl, einen ganz besonderen Foto-Moment verpasst zu haben?

Eisermann: Oh ja! (lacht herzlich) Das Gefühl kenne ich leider zur Genüge. Gerade dann, wenn ich einen Event fotografiere und der einzige Fotograf vor Ort bin, dann gibt es das schon mal. Der Moment, wenn einem bewusst wird, dass man sich gerade an der falschen Stelle befindet und dadurch einen besonderen Foto-Moment verpasst, gehört wahrscheinlich zu den größten Sorgen, die man als Event-Fotograf haben kann. Aus leidvoller Erfahrung in meiner Anfangszeit habe ich aber gelernt, gegenzusteuern, um das Risiko solcher Momente zu verringern.

WiFöG: Wie machen Sie das?

Eisermann: In dem ich sehr hartnäckig bin! (lacht sehr herzlich) Ich bin ein Freund möglichst präziser Briefings. Das mag dem einen oder anderen Eventveranstalter schon mal seltsam vorgekommen sein. Es ist aber äußerst hilfreich. Und sorgt für optimale Ergebnisse … (lacht)

WiFöG: Und privat?

Eisermann: Privat kenne ich das natürlich auch. Aber da geht es mir wahrscheinlich so, wie vielen anderen auch. Man ärgert sich kurz und sagt sich dann: Egal, ich habe den Moment vor meinem inneren Auge gesehen und irgendwo abgespeichert. Entweder im Kopf. Oder im Herzen. (lächelt)

WiFöG: Wann genau und wie haben Sie Ihr Faible für die Fotografie entdeckt?

Eisermann: Als ich etwa sechs Jahre alt war. Da schenkte mir meine Mutter eine Einwegkamera mit integriertem Film. Sie ahnte es damals wohl nicht – und meine ersten Fotos haben das sehr wahrscheinlich auch noch nicht herübergebracht. (lacht sehr herzlich) Aber seitdem war ich ein Fotografierender …

WiFöG: Und heute sind Sie Fotograf …

Eisermann: Korrekt.  

WiFöG: Geboren sind Sie in Lübz - aufgewachsen zunächst in der kleinen Gemeinde Barkhagen bei Plau am See. Eine sehr schöne und mindestens ebenso idyllische Gegend im östlichsten Zipfel unseres Landkreises. Dennoch kann man behaupten, dass insbesondere Ihre frühe Kindheit durchaus als dramatisch bezeichnet werden kann …

Eisermann: Das ist in der Tat richtig. Als ich noch keine zwei Jahre alt war, erkrankte ich sehr schwer. Ich habe über Wochen keine Nahrung bei mir behalten können und meine Mutter brachte mich schließlich ins Krankenhaus. Nach einigen Tagen meinten die Ärzte zu meiner Mutter, dass ich es wohl aller Voraussicht nach nicht überleben würde. Und sie besser schon mal Abschied nähme. Meine Mutter entschied daraufhin, mich wieder nach Hause zu bringen.

WiFöG: In einem SVZ-Artikel stand zu lesen, dass Ihre Mutter Sie mit Schokopudding am Leben gehalten habe. Denken Sie da heute manchmal noch drüber nach, wenn Ihnen Schokopudding serviert wird oder meiden Sie den gar?

Eisermann: Ja, das stimmt. Sie hat unheimlich viel ausprobiert. Und den Schokopudding habe ich in mir behalten. Er war in Kooperation mit meiner Mutter mein Lebensretter, wenn man so will. (lächelt) Dennoch ist es jetzt nicht so, dass ich, wenn ich irgendwo Schokopudding sehe, immer daran denken muss. Eigentlich denke ich da gar nicht groß drüber nach. Ich mag Schokopudding. Und natürlich auch Schokolade. Das war es aber auch. Die Anekdote gehört halt zu meinem Leben und ich bin froh, dass meine Mutter diesen Einfall gehabt hat.

"Einige meiner Lehrer fanden, ich solle lieber etwas Bodenständigeres machen."

WiFöG: Im Alter von nur 6 Jahren kamen Sie auf ein Internat in Braunschweig. Wie war das damals für Sie: Das Verlassen der Eltern, die erste Zeit im Internat und die Tatsache, dass Braunschweig schon eine recht große Stadt ist? Gab es Anpassungsprobleme oder kamen Sie gleich gut mit allen Neuerungen zurecht?

Eisermann: Zunächst ist es mir sehr wichtig, zu betonen, dass ich ein Internat für Kinder und Jugendliche mit Hörschädigungen besuchte. Ich möchte vermeiden, dass der Eindruck entstehen könnte, meine Familie sei so wohlhabend gewesen, dass sie mich deswegen auf ein teures Internat geschickt habe. (lacht herzlich) Und dann muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich tatsächlich keinerlei Anpassungsschwierigkeiten hatte. Innerhalb des Klassenverbandes war es so, dass wir alle vom ersten Tag an sehr gut miteinander auskamen. Das war dort wohl nicht in allen Jahrgängen gleichermaßen so. Deshalb beeindruckte dies auch unsere Lehrer und Erzieher. Wir Schüler waren sehr herzlich miteinander – von Anfang an. Da gab es auch kein Heimweh. Weder bei mir noch bei meinen Mitschülern. Insofern lief mein Wechsel dorthin wirklich sehr rund.

WiFöG: Und die Tatsache, dass Sie plötzlich in einer Großstadt lebten? Braunschweig hat immerhin über 250.000 Einwohner …

Eisermann: Das spielte wohl deshalb keine echte Rolle, weil wir natürlich die allermeiste Zeit in und unmittelbar um das Internat verbracht haben. Das ist durchaus vergleichbar mit dem Leben auf dem Dorf. (lacht) Erst mit der Zeit habe ich mir die weitere Umgebung erarbeitet. Und das war für mich irgendwie selbstverständlich.

WiFöG: Wann hatten Sie ganz konkret den Wunsch verspürt, Fotograf zu werden? Und wie haben Sie das in die Tat umgesetzt?

Eisermann: Na ja, herauskristallisiert hat sich das, als ich etwa 15 Jahre alt war. Da spürte ich es sehr deutlich. Es gab aber durchaus Widerstände dagegen … (lacht)

WiFöG: In welcher Form?

Eisermann: Nun, einige meiner Lehrer fanden, ich solle lieber etwas Bodenständigeres machen. Denen erschien das zu unsicher für mich. (lächelt)

WiFöG: Sie aber setzten sich durch. Wie haben Sie das gemacht?

Eisermann: Zunächst war es für mich sehr wichtig, dass meine Mutter mich nachhaltig bestärkt hat. Und dann war es so, dass ich Praktika machte – bei erfahrenen Fotografen. Ich habe sehr viel gelernt auf diesem Weg. In den unterschiedlichsten Bereichen der Fotografie – Portrait, Event, Werbung etc. - erhielt ich die Chance, mich während der Praktika zu bewähren. Zunächst als Assistent, mit der Aufgabe zu beobachten, über die Schulter zu schauen. Dann aber auch, indem ich selbst fotografierte. Schließlich bewarb ich mich in Berlin um einen Ausbildungsplatz und bekam den auch. Leider hatte ich mir einen sehr unsteten Ausbilder ausgesucht, der mir bereits nach wenigen Tagen kündigte. Den wahren Grund kenne ich bis heute nicht. Vielleicht war ich ihm einfach schon zu weit. (lacht)

"Der Ort, an dem ich lebe, muss nicht automatisch auch immer der Ort sein, an dem ich Aufträge erledige."

WiFöG: Wie geht man mit so einer Situation angemessen um?

Eisermann: Ich habe das ganz klar als Ansporn gesehen. Und auch als eine Art von Zeichen. Die für mich damals zuständige IHK riet mir, dass ich mich doch auch gleich als Freiberufler selbstständig machen könne, da die Fotografie grundsätzlich offen ist für Seiteneinsteiger. Ich habe das dann getan. Ich wollte mir das selbst beweisen. Und irgendwie dachte ich auch: Du bist jetzt gerade in Berlin angekommen – da kannst Du ja nicht gleich wieder zurück. (lacht sehr herzlich)

WiFöG: War es kompliziert, an Aufträge zu kommen?

Eisermann: Wahrscheinlich wäre es sogar ziemlich kompliziert gewesen. (lächelt) Ich verfolgte aber einen anderen Weg. Ich sah in Berlin sehr viele Obdachlose. Menschen, die gelernt hatten, mit dem Notdürftigsten auszukommen. Ich fragte sie, ob ich sie fotografieren dürfte. Diese Fotos habe ich damals ausgestellt mit recht beachtlichem Erfolg. Außerdem war ich von Anfang an sehr beweglich. Ich habe Freude daran, unterwegs zu sein, um gute Bilder zu machen.

WiFöG: Apropos „unterwegs“. Von Berlin zog es Sie für ein paar Jahre nach Nordrhein-Westfalen. War das eine sehr große Umstellung für Sie persönlich?

Eisermann: Nein, eigentlich nicht. Ich war schon immer sehr fokussiert – im wahrsten Sinne des Wortes … (lacht herzlich) Der Ort, an dem ich lebe, muss nicht automatisch auch immer der Ort sein, an dem ich Aufträge erledige. Aber manche Orte erlangen dadurch eine ewige Bedeutung, weil man dort etwas getan hat, was für einen selbst sehr wichtig ist. In Essen habe ich mein Fachabitur gemacht. Quasi nebenbei. Daher wird Essen und die Zeit dort für mich immer sehr präsent bleiben.

WiFöG: Nach über sieben Jahren Ruhrgebiet, entschieden Sie sich schließlich dafür, zurückzukehren in die Heimat. Was waren für Sie die ausschlaggebenden Gründe dafür?

Eisermann: Ganz eindeutig: meine Familie. Ich wollte unbedingt wieder in den Norden, weil hier meine Mutter, meine Geschwister und natürlich auch ein paar meiner Freunde leben. Ich habe die Augen offen gehalten und dann ergab sich hier die Möglichkeit. Im Übrigen eine sehr gute, wie ich finde. (lächelt)

WiFöG: Beruflich sind Sie sehr viel unterwegs in Deutschland und im europäischen Ausland. Ihr neues Zuhause befindet sich jedoch auf dem Lande – inmitten der Natur. Wie lange Eingewöhnungszeit benötigen Sie in aller Regel, wenn Sie von ein oder zwei stressigeren Aufträgen nach Hause auf „Ihren Landsitz“ kommen?

Eisermann: Eigentlich gar keine! Wenn ich hier ankomme, bin ich auch wirklich gleich da. Es ist aber richtig, zu erwähnen, dass ich in der Regel meine Eingewöhnungszeit im Auto verbringe. Ich kann also schon auf dem Weg abschalten. Wie heißt es doch so trefflich: Der Weg ist das Ziel. (lacht sehr herzlich)

WiFöG: Neben Prominenz shooten Sie in aller Regel auch die eher nicht so prominenten Menschen. Hand auf’s Herz: Welche Zielgruppe ist einfacher mit der Kamera einzufangen?

Eisermann: Das kann ich gar nicht so ganz genau sagen! Prominente sind es oftmals gewohnt, fotografiert zu werden. Die wissen sehr genau, wie sie sich passend in Pose werfen sollten. Da muss ich meistens nur sehr wenig korrigieren. Die nicht ganz so prominenten Menschen, die ich vor der Kamera erlebe, sind zwar am Anfang öfter ein wenig unsicher und brauchen in solchen Fällen dann Anweisungen von mir. Dafür ist es für sie ein besonderes Erlebnis und sie wissen den Wert eines Fotoshootings sehr zu schätzen.   

WiFöG: Fotografieren ist mittlerweile auch dank der Smartphone-Technologie beinahe zu so etwas wie einem Kinderspiel geworden. Nutzerfreundliche Apps ermöglichen es Jedermann, einfach und schnell Fotos entsprechend zu bearbeiten und in verschiedenen Sozialen Medien gewinnt man den Eindruck, die Welt sei voller Profi-Fotografen. Sehen Sie selbst diese Entwicklung positiv oder sind Sie manchmal auch in Sorge, die Nachfrage nach Fachleuten wie Ihnen könne mittelfristig sinken?

Eisermann: Nun, ich denke, dass es immer mehr als einen sehr guten Grund dafür gibt, dass Profi-Fotografen wie ich gebraucht und gebucht werden. Daher mache ich mir da im Großen und Ganzen keine Sorgen. Im Gegenteil: Ich habe den Eindruck, dass sich mittlerweile sehr viel mehr Menschen mit dem Thema Fotografie beschäftigen als noch vor etwa 15 Jahren. Und das macht uns Profi-Fotografen auch ein Stück weit interessanter … Außerdem: Ich selbst nutze ja auch diese Apps und auch die sozialen Medien, denen wir den Trend mit verdanken. (lacht)

WiFöG: Wie viel Vorbereitung und Bildbearbeitung steckt durchschnittlich in etwa in einem Portrait?

Eisermann: Wenn ich alles zusammenrechne – Telefonate, Angebote schreiben, Planung, An- und Abreise, Fotografieren, Nachbearbeitung und Rechnung schreiben: zwei bis zweieinhalb Tage. Ich weiß, dass dies für viele unvorstellbar erscheint, aber das kommt so in etwa hin.

WiFöG: Gab es mal bei einem Shooting eine außergewöhnliche Situation, an die Sie sich Ihr Leben lang erinnern werden?

Eisermann: Ja, klar. Aber über die darf ich leider nicht sprechen – das unterliegt meiner Fotografen-Schweigepflicht. (lacht sehr herzlich)

WiFöG: So, Herr Eisermann, nun sind wir bereits bei der letzten Frage angelangt. Wenn Sie die freie Wahl hätten: Gibt es eine Persönlichkeit, die Sie entweder gern zu deren Lebzeiten fotografiert hätten bzw. die Sie unheimlich gern einmal „shooten“ würden? Und wenn ja, weshalb?

Eisermann: Oha, Ihre letzte Frage hat es ganz schön in sich. Das gehört wahrscheinlich zum Plan, oder? (lacht sehr herzlich) Da müsste ich normalerweise wohl eine ganze Weile lang nachdenken – glücklicherweise aber muss ich das jetzt nicht, weil mir gerade zwei Personen eingefallen sind. (lacht) Es handelt sich dabei um drei Fotografen. Einmal um Helmut Newton, der bereits verstorben ist und dessen Fotos mich schon früh sehr inspiriert haben. Den hätte ich sehr gern zu dessen Lebzeiten fotografiert. Und dann Annie Leibovitz, die ich sowohl für ihre Werke an sich als auch für ihr gesamtes cooles und unaufgeregtes Auftreten sehr, sehr bewundere. Die hat auch ein wunderbar markantes Gesicht. Wenn ich dann noch einen weiteren Wunsch erfüllt bekommen könnte, dann wäre es ein Shooting, in dem ich den berühmten amerikanischen Kriegsfotografen James Nachtwey ablichten könnte. Und das wären sie.  

WiFöG: Herr Eisermann, vielen Dank für dieses Gespräch.

Steckbrief

  • Geboren am 20.01.1994 in Lübz
  • Als Fotograf tätig seit 2013
  • Hauptberuflicher Fotograf seit dem 01.02.2015
  • Event-, Set-, Portait- und Werbe-/Industrie-Fotografie
  • Erstellung hochwertiger und komplexer Panoramen
Philipp Eisermann // Am Hof 3 // 19273 Groß Timkenberg (Gemeinde Teldau)
Mobil: 0151/423 237 03 // E-Mail: info@philipp-eisermann.de // www.philipp-eisermann.de

 

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Laura Wagner
Projektmanagerin Fachkräftesicherung
+49 (0)3874 62044-16

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