Auf einen Kaffee mit Rainer Mönch

Ausgabe 37
Fr, 03/01/2019

Landwirt, Manager, Netzwerker:

Auf einen Kaffee mit Rainer Mönch

In unserer Region, die in den vergangenen Jahrzehnten ein sehr dynamisches Wirtschaftswachstum erlebt hat, nimmt aber auch gerade die Landwirtschaft einen prägenden Raum ein. Zahlreiche vitale Unternehmen der Landwirtschaft sorgen dafür, dass der ländliche Raum perspektivisch sehr gut aufgestellt ist. Eines dieser Unternehmen ist die AGP Lübesse, die an insgesamt vier Standorten in unserem Landkreis aktiv ist und die seit langem sehr innovativ und zukunftsorientiert agiert. Im vorletzten Jahr erhielt man beispielsweise als erstes Agrar-Unternehmen des Landkreises das Familiensiegel. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Rainer Mönch. 

WiFöG: Herr Mönch, Sie sind Geschäftsführer einer Agrar-GmbH. Gibt es bei Ihnen zuhause auch einen Gemüse- bzw. Obstgarten oder Tiere, die Sie halten?

Mönch: Nein, ehrlich gesagt nicht. Das hat aber recht plausible Gründe … (lacht sehr herzlich)

WiFöG: Inwiefern?

Mönch: Früher hatten meine Frau und ich einen größeren Gemüsegarten zuhause. Und auch eine Zeitlang bis zu 100 Gänse pro Jahr. Der Teil des Grundstücks fiel jedoch im Jahr 1990 im Laufe der Entschädigungen an einen Alt-Eigentümer. Ich mähe zwar immer noch den Rasen und freue mich optisch daran, aber Gemüsegarten und Tierhaltung sind seitdem passé. (lächelt)

WiFöG: Sie scheinen nicht allzu traurig zu sein darüber …

Mönch: In der Tat! (lacht sehr herzlich) Anfangs waren wir schon etwas wie vor den Kopf gestoßen. Aber wissen Sie: Ein Gemüsegarten und 100 Gänse - das ist schon sehr viel Arbeit. (lacht) Nein, ehrlich gesagt hat uns das mehr freie Zeit beschert. Und außerdem: Hier im Betrieb haben wir reichlich Gemüse und Tiere. Das ist genügt mir. Wie heißt es doch so schön: Dienst ist Dienst … (lacht sehr herzlich) 

WiFöG: … Und Schnaps ist Schnaps. Aber dazu kommen wir etwas später. Zunächst würden wir sehr gern erfahren, wann und wie Sie auf die Idee kamen, in der Landwirtschaft zu arbeiten? War das ein lang gehegter Wunsch oder gab es da irgendwann eine schicksalhafte Begebenheit?

Mönch: Na ja, wenn man so will: Die Schuld daran trägt mein Onkel. (lacht)

WiFöG: Sie scheinen ihm das aber nicht sonderlich übel zu nehmen?

Mönch: Nein, in der Tat. Er konnte ja gar nichts dafür. Sein „Fehler“, wenn man so will, war: Er lebte im Westen. (lacht) Ich wollte nämlich eigentlich Flieger werden. Am liebsten Landwirtschaftsflieger – oder eben bei der Interflug, der Fluggesellschaft der DDR. Ich hatte schon zahlreiche Flugstunden in Neustadt-Glewe hinter mich gebracht, auch im Alleinflug, als man plötzlich über meinen Onkel aus dem Westen „stolperte“. Das gefiel damals den entscheidenden Leuten nicht und somit war das Kapitel „Fliegen“ dann vorbei. 

WiFöG: Auf diese Weise kamen Sie dann zur Landwirtschaft?

Mönch: Ja, im Grunde schon. Mein Vater leitete eine LPG. Ich bin in und mit der Landwirtschaft aufgewachsen und kannte mich auch ganz gut aus. Da lag es für mich absolut nahe. Allerdings habe ich dann zuerst noch studiert.

WiFöG: Wo und was?

Mönch: In Rostock. Landmaschinenbau. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Und dann fing ich genau hier in Lübesse an zu arbeiten. Später habe ich noch ein weiteres Studium draufgelegt – übrigens wieder in Rostock – und wurde so zum Experten für Futtermittel.

"Daneben habe ich als Gemeindevertreter und Bürgermeister von Goldenstädt im Ehrenamt eine weitere Erfüllung gefunden. Irgendwann aber ereilte mich dann wieder der Ruf der Landwirtschaft."

WiFöG: Nach der Wende haben Sie dann einen Ausflug in die Möbelbranche gemacht und zwar als Unternehmer …

Mönch: Genau. Mein Bereich wurde damals hier gewissermaßen reduziert und ich machte mich mit einem Möbelmarkt selbstständig. Das lief auch recht gut. Daneben habe ich als Gemeindevertreter und Bürgermeister von Goldenstädt im Ehrenamt eine weitere Erfüllung gefunden. Irgendwann aber ereilte mich dann wieder der Ruf der Landwirtschaft … (lächelt)

WiFöG: Im Jahr 2008 kehrten Sie zurück in den Betrieb nach Lübesse …

Mönch: Mit sehr viel Motivation, weil mich die Landwirtschaft nie ganz losgelassen hat. Zunächst als Prokurist und später als Geschäftsführer habe ich hier schließlich meine berufliche Erfüllung gefunden. Ich kann klar betonen: Landwirtschaft – das ist genau mein Ding! 

WiFöG: Ihr Unternehmen, die AGP Lübesse, hat sich als erster landwirtschaftlicher Betrieb mit dem „Familiensiegel“ auszeichnen lassen. Was war Ihre Intention für diesen Schritt?

Mönch: Nun, die hervorragende Überzeugungsarbeit nicht zuletzt der Wirtschaftsförderung konnte mich schnell davon überzeugen! (lacht sehr herzlich) Aber mal ganz im Ernst: Wir haben schon vor einigen Jahren gewusst, dass die Zukunft eines innovativ-wachstumsorientierten landwirtschaftlichen Unternehmens davon abhängt, wie erfolgreich wir Fachkräfte finden und binden. Insbesondere in unserer Branche ist das aber nicht immer sehr leicht. Einerseits ist da der stetig steigende Qualifizierungs- und Innovationsdruck. Platt gesagt: Der landwirtschaftliche Mitarbeiter geht nicht mehr mit dem Eimer in den Stall, um die Kühe zu melken. Andererseits sind es natürlich auch die Rahmenbedingungen, wie Arbeitszeiten, Lohnniveau und die Sorge, die jeden Mitarbeiter in der Landwirtschaft umtreibt: Was tun, wenn die Ernte nicht gut ausfällt oder Seuchen ausbrechen? All das macht den sich ändernden Arbeitsmarkt für Unternehmen aus unserem Bereich zu einem komplexen Etwas, für das wir Lösungen brauchen. Mit dem Siegel haben wir uns selbst auferlegt, Strukturen so zu schaffen, dass unsere Mitarbeiter spüren: Wir sind für sie da. Es gibt ein Problem – wir finden eine Lösung. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist.

WiFöG: Welche Optionen zur Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben bieten Sie Ihren Arbeitnehmern konkret?

Mönch: Ein klassisches Thema in der Landwirtschaft sind die Arbeitszeiten. Unser Ziel war es, für unsere über 100 Mitarbeiter ein verlässliches Arbeitszeitenmodell zu implementieren, das Hochsaison, Nebensaison und Wochenenden mit fairen Arbeitsschichten versieht. Das ist schon eine Herausforderung für sich. Dazu das Thema „Pflege von Angehörigen“. Wir haben hier sehr gute Lösungen gefunden.

WIFöG: Gab es da auch schon Bedarf seit Sie das Siegel haben?

Mönch: Wissen Sie, wir haben gerade aktuell eine Situation: Ein Pärchen mit kleinem Kind. Beide sind bei uns angestellt. Da ist es einerseits wichtig, genau zu planen, wer von den beiden wann arbeitet. Und dann kommt dazu: Wer kümmert sich, wenn das Kind krank ist? Das konnten wir lösen. Aber das Siegel hat darüber hinaus auch noch die Funktion, potenziellen Arbeitnehmern, die sich mit uns beschäftigen anzuzeigen: Das ist ein Arbeitgeber, der Wort hält, der sich kümmert und der lösungsorientiert agiert. Für uns ist das ein starkes Plus.

WiFöG: Sie denken ja bereits seit längerem über eine betriebseigene KiTa nach – ist das noch aktuell?

Mönch: Grundsätzlich schon. Aber, wir mussten das Projekt ein wenig hinten anstellen. Nun wollen wir abwarten, was das neue „Gute-KiTa-Gesetz“ bringen wird. Vorstellbar aber ist, eine KiTa zu entwickeln, die den Arbeitszeiten in der Landwirtschaft Rechnung trägt.

WiFöG: Insgesamt fällt auf, dass Ihr Unternehmen unterschiedliche Sparten und damit auch recht unterschiedliche Zielgruppen bedient: Einerseits die klassische Sparte der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, eine Schleiferei, dann eine Fahrradwerkstatt, eine KFZ-Werkstatt, einen Hofladen, eine Tankstelle mit einem Shop-Bereich, den man mit Fug und Recht auch als eine Art „regionalen Grundversorger“ bezeichnen kann. Gibt es weitere Ideen, die Sie in den kommenden Jahren integrieren wollen?

Mönch: Ja, klar! (lacht sehr herzlich)

"Wir wollen den regionalen Bezug bei uns weiter stärken."

WiFöG: Und dürfen wir auch erfahren was?

Mönch: Also ich sage nur so viel: Wir wollen den regionalen Bezug bei uns weiter stärken. Und das in allen möglichen und erdenklichen Bereichen. Mehr darf ich leider noch nicht verraten – auch wenn ich das sehr gerne würde. (lacht herzlich)

WiFöG: Damit geben wir uns zufrieden. Eine weitere Herausforderung für Ihr Unternehmen besteht darin, dass Sie an verschiedenen Standorten aktiv sind: in Lübesse, in Wittenburg, in Mirow und in Sülte. Dazwischen liegen einige Kilometer. Ihr Arbeitsplatz ist in Lübesse – wie oft pro Woche sind Sie selbst an den anderen Standorten?

Mönch: Ich könnte noch häufiger sein. (lächelt) Wissen Sie, manchmal kommt man von dem Schreibtisch nicht los … (lacht sehr herzlich) Um es aber auf den Punkt zu bringen: Ausreichend, aber ausbaubar.

WiFöG: Sie haben bereits einige unternehmerische Kooperationen mit weiteren landwirtschaftlichen Playern aufgebaut und gelten als ein überzeugter Netzwerker. Gehören solche Kooperationen in der Landwirtschaft heutzutage dazu oder könnte und sollte es mehr davon geben?

Mönch: Zunächst: Ja, ich bin ein sehr überzeugter Netzwerker. Und daher wollen wir diese Kooperationen auch weiter ausbauen. Auf dem tollen Neujahrsempfang des Landkreises konnten wir gleich einige sehr vielversprechende Gespräche beginnen. Und zu dem anderen Teil Ihrer Frage: Ich denke, dass Netzerken in der Landwirtschaft – aber auch im Verhältnis zum Handel – ein ausbaufähiges Unterfangen ist. (lächelt) Dazu gehört aber eben auch die Fähigkeiten, einem anderen etwas zu gönnen. Das fällt Manchem einfach manchmal schwer. (lächelt verschmitzt)

WiFöG: Apropos „Netzwerken“ – Sie sind Vorstand im „Lewitz e. V.“ – einem Verein, der schon seit vielen Jahren den Gedanken von regionaler und überregionaler Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen trägt. Wie kamen Sie zu diesem Verein?

Mönch: Durch meine Tätigkeit als Bürgermeister in Goldenstädt.

WiFöG: Der Verein hat eine feste Mitarbeiterin, die den Ausbau des Angebotes vorantreibt. Unter www.die-lewitz.de ist jetzt eine neue Website entstanden, die sich vor allem an Besucher richtet, dabei aber auch den Bewohnern der Lewitz Mehrwerte bietet. Wie weit sind Sie mit der Umsetzung schon?

Mönch: Nun, die neue Website ist Ende letzten Jahres an den Start gegangen. Wir sind ganz zufrieden mit dem bisherigen Stand. Aber, es muss noch eine ganze Menge geschehen. Dafür haben wir ja glücklicherweise unsere Mitarbeiterin, die das managt. Ich würde schätzen, dass wir jetzt bei etwa 20 – 30 Prozent sind, was die Angebotsfülle für unsere Gäste und Besucher betrifft. Hundert Prozent Angebotsfülle schafft man eh nicht – bei 80 bis 85 Prozent können wir sagen: Wir haben es geschafft. (lächelt)

WiFöG: Ein Blick auf die Website verrät: Auch regionale Produkte werden dort vermarktet – so u. a. Ihr Eigenprodukt: „Karl Toffel Schnaps“, eine – wie der Produktname schon verrät – Kartoffelschnaps-Spezialität Ihres Unternehmens. Ein ganz positiver Nebeneffekt auch für die AGP Lübesse, oder?

Mönch: Absolut. Selbstverständlich auch für unsere anderen Produkte. Aber eben vor allem auch für die tollen gastronomischen Anbieter und für die Vielzahl an Genussprodukten, die hier bei uns in der Lewitz hergestellt werden. Die Lewitz ist eine wunderschöne Naturlandschaft und unser Ziel ist, Besucher, die von außerhalb kommen, mindestens einen, wenn nicht gar mehrere Tage bei uns zu halten. Doch auch das Gemeinschaftsleben der Bewohner soll besser vernetzt und dadurch greifbarer werden. Beispielsweise durch die Ausweisung kultureller Angebote.

WiFöG: Apropos Kultur. Was nicht jeder weiß: Sie sind auch Musiker aus Leidenschaft und spielen in einer Band. Wie viel Zeit bleibt Ihnen für dieses Hobby?

Mönch: Wir proben einmal die Woche. Das passt einerseits zu unseren Ambitionen, weil wir das mehr aus Spaß machen als mit dem Ehrgeiz, die Welt musikalisch zu verändern. Andererseits ist die wöchentliche Probe natürlich auch eine Art Ritual – so ein Moment auf den man sich schon die ganze Woche freut.

WiFöG: Gibt es für Sie ein musikalisches Vorbild?

Mönch: Ja, das ist für mich ganz klar Eric Clapton.

WiFöG: So, Herr Mönch, nun sind wir auch schon bei der letzten Frage angelangt. Stellen Sie sich vor, Sie dürften sich für Ihr nächstes Hoffest einen musikalischen Stargast wünschen: Wen würden Sie am allerliebsten dafür verpflichten?

Mönch: Jetzt überrasche ich Sie. (lacht sehr herzlich) Vermutlich haben Sie jetzt gedacht, dass ich Eric Clapton antworte, oder?

WiFöG: Das lässt sich unschwer leugnen. Aber Sie präferieren einen anderen Stargast?

Mönch: Oh ja. Uwe Schneider, genannt Ed Schneider. Vermutlich kennt den kaum einer, aber für mich war und ist er ein Star. Er hat mir nämlich vor 40 Jahren das Gitarrenspiel beigebracht. Wir hatten uns in Armeezeiten kennen gelernt, er ist mittlerweile längst Dozent an der Musikhochschule Erfurt – und ein sehr begnadeter Musiker. Und genau den habe ich vor ein paar Wochen auf der Urlaubsrückreise in der Bahn wieder getroffen. Und ich habe tatsächlich vor, ihn zu fragen, ob er Zeit und Lust hat, bei unserem nächsten Kartoffelmarkt am 14./15.06.2019 aufzutreten. Und das wird ein sehr guter Rahmen, denn wir feiern dann auch „30 Jahre AGP Lübesse“. Mit ganz viel Action.

WiFöG: Herr Mönch, das war ein sehr schönes Schlusswort. Wir wünschen Ihnen für Ihr Fest und überhaupt sehr viel Erfolg und danken Ihnen sehr für dieses Gespräch.

Steckbrief

  • Gegründet: 1989
  • über 100 Angestelte
  • 4 Standorte: Lübesse, Wittenburg, Sülte, Mirow/Banzkow
Agp Lübesse Agrarproduktgesellschaft mbH / Schweriner Straße1 / 19077 Lübesse
Dipl.- Ing. agr. Rainer Mönch / Telefon: (03868) 227 oder 228 / Telefax: (03868) 300313 / E-Mail: AgpLuebesse[at]t-online.de

 

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mb_web
Marc Brendemühl
Projektmanager Kommunikation und Marketing
+49 (0)3874 62044-18

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