Auf einen Kaffee mit Stefan Kreibohm

Ausgabe 44
Sa, 06/08/2019

Der „Wettermann“ aus Parchim:

Auf einen Kaffee mit Stefan Kreibohm

Stefan Kreibohm, Jahrgang 1970, wuchs in Parchim auf. Schon in seiner Kindheit und Jugend war der „Wettermann“ des NDR zumeist draußen in der Natur. Irgendwann begann er als Jugendlicher damit, sich für das Thema „Wetter“ zu interessieren. Mit Folgen: Im Alter von 16 Jahren verließ Kreibohm seine Heimatstadt und absolvierte eine einschlägige Ausbildung in Potsdam. Danach folgten diverse Stationen in unterschiedlichen Regionen, bevor er 1998 aufgrund einer guten Idee von Jörg Kachelmann zurückkam in den Nordosten. Seitdem lebt Stefan Kreibohm auf Rügen und arbeitet auf Hiddensee. Dennoch ist der Fernsehmann, Buchautor und Keynote-Speaker tief verwurzelt mit seiner Heimatstadt Parchim und der Region Südwestmecklenburg – dem Landkreis Ludwigslust-Parchim.

WiFöG: Herr Kreibohm, werden Sie eigentlich oft, wenn Sie gerade privat unterwegs sind, von Menschen, die Ihnen unbekannt sind, auf das Wetter angesprochen?

Kreibohm: Oh ja, das kommt häufiger vor. (lacht) Meistens geht es dabei dann nicht direkt um das Wetter, aber ich werde schön öfter mal erkannt und dann auch angesprochen auf meine Tätigkeit. So nach dem Motto: „Ah, sind Sie nicht der Mann, der das Wetter im Nordmagazin ansagt?“.

WiFöG: Und sind das in der Regel eher angenehme Situationen, in denen Sie Zuspruch erfahren oder kommt es auch vor, dass Menschen Sie persönlich für sogenanntes „schlechtes“ Wetter verantwortlich machen?

Kreibohm: Nein, das sind immer sehr angenehme Situationen. (lächelt) „Beschwerden“ erfolgen, wenn überhaupt, dann doch eher schriftlich per E-Mail. Das passiert zum Glück sehr selten und bezieht sich dann auf Momente, in denen das individuelle Wetter nicht so war wie vorausgesagt. Da wir insgesamt eine sehr gute Trefferquote haben, kommt solche Kritik nicht häufig vor. (lächelt) Und um Ihre Frage abschließend zu beantworten:  Für Regen, Schnee, Hagel, Gewitter und Sturm bin ich noch nie verantwortlich gemacht worden. Da wissen die Zuschauer und Zuhörer, dass ich und mein Kollege vollkommen schuldlos sind. (lächelt)

WiFöG: Geboren und aufgewachsen sind Sie in Parchim. Sie sind also Südwestmecklenburger durch und durch – auch wenn Sie mittlerweile schon recht lange nicht mehr in Parchim leben. Wenn Sie zu Besuch sind, haben Sie dann den Eindruck, in Ihrer Heimatstadt habe sich viel verändert?

Kreibohm: Absolut, ja. Es hat sich sehr viel getan. Es ist sehr Vieles sehr viel schöner geworden – von einigen wenigen Ausnahmen einmal abgesehen. Mein Empfinden sagt mir: Es ist eindeutig bunter geworden.

WiFöG: Gibt es einen Ort – eine Art „Geheimtipp“ – den Sie selbst nahezu jedes Mal aufsuchen, wenn Sie nach Parchim kommen.

Kreibohm: Vielleicht nicht direkt jedes Mal, weil meine Zeit oft sehr begrenzt ist, wenn ich zu Besuch bin. Dennoch würde ich Ihnen drei meiner „Geheimtipps“ nennen wollen: Das ist einmal der Sonnenberg – ein größerer Höhenzug am Rande der Stadt, wo ich sehr gut abschalten kann. Oder auch die Elde nach Slate raus. Da gibt es unheimlich schöne Ecken. Selbstverständlich muss auch der Wockersee erwähnt werden, der sich ideal für Spaziergänge eignet. Das sind jedenfalls für mich echte Highlights, die ich schon irgendwie immer mal wieder versuche, anzusteuern, wenn ich in Parchim bin.

WiFöG: Sind das teilweise auch noch Kindheitserinnerungen?

Kreibohm: Auf jeden Fall. Teilweise gute, teilweise nicht so gute. (lacht herzlich)

WiFöG: Wie darf man das verstehen?

Kreibohm: Nun, als Kind fand ich das zumeist nicht so klasse, wenn es hieß: Kommt, wir gehen um den Wockersee! (lacht sehr herzlich) Aber natürlich gab es wiederum auch sehr schöne Erinnerungen an Ausflüge in der Kindheit. Beispielsweise, wenn wir zum Eichberg zum Rodeln sind. Das war der Mount Everest meiner Kindheit. Wenn ich heute daran zurückdenke, war dieser Berg, der in Wahrheit natürlich kein Berg im klassischen Sinne war, einfach fantastisch.

WiFöG: Waren Sie als Kind und Jugendlicher sehr viel draußen unterwegs?

Kreibohm: Das kommt darauf an, was man unter „sehr viel“ versteht. (lacht) Aber Spaß beiseite: Ich denke es ist richtig, wenn ich behaupte, mehr draußen als drinnen gewesen zu sein.

WiFöG: Wo und wie sind Sie aufgewachsen?

Kreibohm: Wir wohnten in der Invalidenstraße. Ein Haus mit Garten. Damals war das noch beinahe ländlicher Raum. Heute stehen da sehr viele neugebaute Häuser. Aber damals gab es Wiesen zum Toben und Tollen. Und es waren ausreichend Spielkameraden um mich herum. So bin ich damals eigentlich fast immer nach der Schule zum Spielen mit meinen Freunden dort herumgetobt. Zu Fuß oder mit Fahrrad. Ständig gab es Dinge, die wir entdecken wollten.

WiFöG: Machten Sie Sport? Oder spielten Sie ein Musikinstrument?

Kreibohm: Nein, das war beides nicht so meins. Ich habe mich allerdings so gut wie nie gelangweilt. (lacht herzlich)

WiFöG: Noch vor der Wende absolvierten Sie eine Ausbildung zum Technischen Assistenten für Meteorologie in Potsdam. Woher rührte Ihre Leidenschaft für das Wetter?

Kreibohm: Das ist eine gute Frage. Irgendwann hat sich das entwickelt, wann und wie genau, kann ich heute nicht mehr sagen. (lächelt) Ich weiß aber noch, dass mich als Kind verschiedene Phänomene fasziniert haben. Beispielsweise die Unterschiedlichkeit von Regentropfen. Ich habe als Kind abends im Bett anhand der Geräusche der Regentropfen auf dem Vordach gewusst, aus welcher Richtung der Wind kommt. Und wie stark Wind und Regen sind. Klingt vielleicht ein wenig verrückt. (lacht sehr herzlich) Daran kann ich mich aber noch gut erinnern.

WiFöG: War da dann Ihr weiterer Werdegang in Potsdam eine logische Konsequenz?

Kreibohm: Wahrscheinlich. Wenn mich die Erinnerung nicht trügt, meine ich, dass meine Eltern die Idee hatten, dass ich nach Potsdam gehen könne. Das klang verlockend – also habe ich mich beworben und das gemacht.

WiFöG: Von Parchim nach Potsdam - war das für Sie persönlich damals ein großer Schritt?

Kreibohm: Oh ja. Das war in der Tat ein sehr großer Schritt. Gefühlt bin ich zuvor nie wirklich aus Parchim weg gewesen. Nun ging es in eine fremde Stadt. Und in ein Wohnheim für Auszubildende. Ich war damals etwa 16, 17 Jahre jung. Und ich erlebte ein großes fortlaufendes Abenteuer. (lächelt)

WiFöG: In der Folgezeit wechselten Sie ja einige Male den Wohnort. Immer aus beruflichen Gründen. Unter anderem lebten Sie zeitweise in Berlin und in Düsseldorf. Wussten Sie damals bereits, dass Sie eines Tages wieder heimkehren würden in den Nordosten?

Kreibohm: Nein, das war mir nicht wirklich bewusst. Das war auch zunächst für mich gar nicht das Ziel. Ich wollte ja entdecken. Erst Potsdam und Berlin, dann Düsseldorf, wieder Berlin schließlich Köln.

"Als Jörg auf mich zukam mit der Idee, auf Hiddensee für ihn und die ARD zu arbeiten, dachte ich gründlich nach und sagte zu."

WiFöG: Nun zu Ihrer Rückkehr in die Heimat – wenn wir den Begriff der Heimat etwas großzügiger ausdehnen. Auf Ihrer persönlichen Website steht zu lesen: „Jörg Kachelmann holte mich zurück in den Norden“. Wie kamen Sie zu Kachelmann und zum Fernsehen?

Kreibohm: Also Jörg Kachelmann traf ich zunächst in Berlin. Er hatte dort sein Büro gleich in der Nähe des Metrologischen Instituts der Freien Universität, wo ich damals arbeitete. Ich wusste natürlich von ihm – er war schon in jener Zeit prominent durch das Fernsehen. Wir trafen uns eher zufällig und kamen ins Gespräch. Später holte er mich in seine Firma.

WiFöG: Wie haben Sie Kachelmann damals erlebt: eher als den versierten Fachmann oder mehr als den eloquenten, charmanten Wetter-Promoter vor der Kamera?

Kreibohm: Jörg war wirklich beides. Ein unheimlich versierter Fachmann und ein sehr guter Entertainer, der Menschen für etwas, das bis dato eher unterschwellig das Fernsehprogramm ergänzte, dermaßen begeistern konnte, dass die Menschen allein seinetwegen den Fernseher anschalteten.

WiFöG: Und wie kamen Sie dann zum Fernsehen?

Kreibohm: Das war in der Tat Jörgs Idee. Ich hatte zuvor zweimal an Castings teilgenommen, weil ich mir durchaus ausrechnete, dass ich einen guten Job vor der Kamera würde machen können. Beide Male scheiterte ich jedoch. Heute würde ich sagen – kläglich (lacht sehr herzlich) und auf jeden Fall zurecht. Als Jörg auf mich zukam mit der Idee, auf Hiddensee für ihn und die ARD zu arbeiten, dachte ich gründlich nach und sagte zu. Eine meiner besten Entscheidungen. (lacht)   

WiFöG: Seit 1998 genießen Sie nun das Privileg, dass Ihr Arbeitsplatz auf einer der schönsten deutschen Ostseeinseln liegt – der Insel Hiddensee. Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie beneidenswert ist das?

Kreibohm: 12 (lacht sehr herzlich). Aber mal im Ernst: Es ist ein Traum.

WiFöG: Seit 1998 berichten Sie von Hiddensee für die Fernsehzuschauer von NDR und ARD. Ihre Wettermeldungen sind stets abwechslungsreich und authentisch. Bisweilen – je nach Wetterlage – auch aufregend und spannend. Gab es nie Anfragen bzw. Überlegungen, Ihnen mehr Raum im TV zu geben?

Kreibohm: Nein bislang jedenfalls nicht. (lacht herzlich) Wissen Sie, es ist ja auch nicht so, als fühlte ich mich zu wenig ausgelastet. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich beruflich genau das mache, was ich liebe, wofür ich eine sehr große Passion habe. Und ich übe meine Arbeit dort aus, wo ich glücklich bin. Mehr geht eigentlich nicht.

"Wenn bei Sturm die Kamera schwankt und ich mir denke: Hoppla, die wird doch jetzt nicht umgeweht werden … In solchen Momenten wünsche ich mir einen Kameramann herbei."

WiFöG: Sie arbeiten in der Regel allein. Das bedeutet, Sie sind Kameramann, Tonassistent, Sprecher, Location-Scout und Regisseur in einem. Dazu kommt noch der Kernbereich: Meteorologie. Hand auf’s Herz: Was von alldem sind Sie am allerliebsten? Und welcher Tätigkeit würden Sie am wenigsten nachtrauern, wenn die wegfiele?

Kreibohm: In Wahrheit übe ich sogar noch sehr viel mehr Tätigkeiten aus. (lacht sehr herzlich) Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen, will  ich Ihnen die folgende Antwort geben: Manchmal wäre es schön, wenn es jemanden gäbe, der die Kamera bedient. Das wäre auch für mich manchmal sehr beruhigend. (lacht)

WiFöG: Weshalb?

Kreibohm: Ganz einfach: Weil ich wahrscheinlich am allerwenigsten Kameramann bin. Und es gab schon den einen oder anderen Dreh, bei dem ich hinterher bemerkte, wie unscharf das Bild doch gewesen ist. Oder, wenn bei Sturm die Kamera schwankt und ich mir denke: Hoppla, die wird doch jetzt nicht umgeweht werden … In solchen Momenten wünsche ich mir einen Kameramann herbei. (lacht herzlich) Dabei wäre es wirklich utopisch, für einen 90-sekündigen Einspieler einen Kameramann nach Hiddensee zu schicken.

WiFöG: Und welche Tätigkeiten machen Ihnen am meisten Spaß?

Kreibohm: Das ist ganz eindeutig die Tätigkeit vor der Kamera. Und daneben ist es das Location-Scouting. Das ist immer sehr spannend. Ich versuche immer den perfekten Ort zur jeweiligen Wettersituation zu finden. Dies hat jedoch manchmal auch seine Tücken. Am Ende bin ich dann froh und gewissermaßen auch erleichtert, wenn das alles richtig gut geworden ist.

WiFöG: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Kreibohm: Nun, der beginnt auf jeden Fall um 5 Uhr 30 in der Frühe.

WiFöG: Sie sind also Frühaufsteher …

Kreibohm: Absolut. Um die Zeit begutachte ich die aktuellen Wetterdaten. Ich schaue, ob die Prognosen eingetreten sind und entwickle neue Prognosen für den laufenden Tag. Das mache ich meistens von Zuhause aus, wo ich auch ein Wetterstudio habe. Es folgen die Wettermeldungen auf NDR 1 MV. Ich begebe mich nach Hiddensee. Dann gibt es irgendwann zwischendrin eine längere Pause. Bis ich mich dann um den Dreh kümmere, der sich natürlich irgendwie auch immer an der aktuellen Wetterlage orientiert.

WiFöG: Und bei außergewöhnlichen Wetterlagen?

Kreibohm: Dann kann es auch schon mal durchgängig etwas intensiver werden. Das ist aber zumeist ganz gut planbar. Und wenn es ganz arg kommt, bleibe ich auf Hiddensee. Das ist ganz praktisch, weil es hier auch Übernachtungsmöglichkeiten für mich und meinen Wechsel-Kollegen Uwe Ulbrich gibt.

WiFöG: Sie sind auch Buchautor und halten Vorträge. Wann machen Sie das?

Kreibohm: Das ist korrekt. Ich mache das allerdings in meiner Freizeit. Wenn ich gerade nicht im Einsatz auf Hiddensee bin.

WiFöG: Wie kamen Sie dazu? War das schon immer eine Leidenschaft von Ihnen?

Kreibohm: Nein. Begonnen hat es damit, dass ich ein paar Vorträge über Wetter und Klima hielt. Im Publikum saß dann die Chefin vom Hinstorff-Verlag und fragte mich anschließend, wann ich denn aus dem Vortrag ein Buch machen wolle. So begann das und ich muss Ihnen sagen: Es macht mir sehr viel Spaß. Allerdings bleibt das für mich nur eine Freizeitbeschäftigung. Dafür bin ich zu gerne Fernseh-Wettermann. (lacht sehr herzlich)

WiFöG: So, Herr Kreibohm, nun sind wir bereits bei unserer letzten Frage angekommen. Sie arbeiten auf Hiddensee und leben auf Rügen. Beides sind traumhaft schöne Inseln. Wenn Sie sich nun aber vorstellen, dass Sie sich zwischen diesen beiden Inseln entscheiden müssten, wo würden Sie lieber arbeiten und leben?

Kreibohm:  Oh je. Diese Frage kann ich eigentlich gar nicht beantworten. Ich habe mein Herz wirklich an beide Inseln verloren und mag da weder der einen noch der anderen „Tschüss“ sagen müssen. Eines aber weiß ich natürlich auch: Sollte ich alt werden, wird es so sein, dass ich mich von Hiddensee werde verabschieden müssen. Erstens, weil es ein Rentenalter gibt. Und zweitens weil mein Zuhause nun mal auf Rügen ist. (lacht herzlich)

WiFöG: Herr Kreibohm, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch.

 

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Marc Brendemühl
Projektmanager Kommunikation und Marketing
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