Die Geschichte von Klaus Eisenbarth und der Käserei Goldschmidt

Ausgabe 54
Fr, 11/01/2019

Innovativ aus Tradition:

Die Geschichte von Klaus Eisenbarth und der Käserei Goldschmidt

Klaus Eisenbarth erblickte einst in Köln am Rhein das Licht der Welt, wo er auch seine Kindheit und Jugend verlebte. Im Anschluss an seine Zeit in der Marine, die ihn in den Norden nach Flensburg führte, studierte Eisenbarth und wurde Lebensmitteltechniker. Danach zog es ihn in verschiedene Unternehmen der Fischverarbeitung, wodurch ihn sein Weg auch nach Mecklenburg-Vorpommern führte – zunächst an die Küste. Als Experte für absolute Frische und höchste Qualitätsansprüche spürte er, dass die Welt nicht ausschließlich aus Fischfeinkost bestand. Schließlich fing er bei dem Frischkäseproduzenten Goldschmidt in Kummer an: zuerst als Betriebsleiter, später als Prokurist und schließlich als Geschäftsführer. Sein Hauptaugenmerk dort gilt der stetig hohen Innovationsfähigkeit und der Bereitschaft, Neues hervorzubringen. Wir trafen Klaus Eisenbarth in seinem Büro in Kummer im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Klaus Eisenbarth spricht absolut akzentfreies perfektes Hochdeutsch. Diese Erkenntnis überrascht, nachdem man gerade erfahren hat, dass der Mann, der uns vorschriftsmäßig im Kittel und mit einem Haarnetz versehen gegenübersitzt, in Köln geboren und aufgewachsen ist. Wem der rheinische Akzent vertraut ist, der vermag eine Weile lang darauf zu achten, ob sich nicht doch an der einen oder anderen Stelle mal ein „verräterisches“ „j“ statt eines „g“ in die Sprache schleicht. Aber: Nein, Eisenbarth merkt man beim Sprechen seine Herkunft nicht an. „Wenn ich meine Familie oder alte Freunde treffe, bzw. mit ihnen spreche, dann fällt mir selbst auf, dass mir diese Mundart natürlich schon sehr vertraut vorkommt. Als Kind und Jugendlicher hat man mir meine Heimat bestimmt auch angehört. Aber ich kann beispielsweise nicht sagen, dass ich, wenn ich mich heute drei Stunden lang mit jemandem unterhalte, der sehr rheinisch spricht, dem dann anpasse“, sagt Klaus Eisenbarth, ohne dass es den Anschein hätte, als beschäftige er sich viel damit.

Selbstverständlich sei es kein Nachteil, wenn hier bei uns im Norden nicht gleich jeder merke, dass er ursprünglich „eigentlich keiner von hier“ sei. Die Tatsache, dass er schon mehrfach Erstaunen ausgelöst habe, wenn er jemandem in Kummer zum ersten Mal von seiner alten „Heimat Köln“ erzählt hat, weil er doch eigentlich so spreche und so wirke wie eben „einer von hier“, war das für Klaus Eisenbarth stets ein Kompliment. Es schaffe eben eine unvergleichliche Verbundenheit zu den Menschen, mit denen er arbeite, dass niemand das Gefühl habe, ihn nicht richtig zu verstehen, wenn man sich miteinander unterhalte. Außerdem habe er schon sehr zeitig als Jugendlicher gespürt, dass ihn sein Lebensweg in den Norden führen werde.

Nach der Schulzeit jedoch lernte Klaus Eisenbarth zunächst etwas Handfestes. Und das in Köln. Er wurde Koch und Konditor. „Man sieht mir wahrscheinlich auf den ersten Blick an, dass ich durchaus das bin, was man einen leidenschaftlichen Genussmenschen nennt“, sagt er – nicht ohne ein kräftiges Lachen in der Stimme. Die Zubereitung von Essen zählt auch heute noch zu seinen absoluten Leidenschaften. Eisenbarth: „Normalerweise kocht bei uns zuhause zwar meine Frau. Wenn es aber mal etwas raffinierter zugehen soll oder an den hohen Festtagen, dann bin ich der Mann an Herd und Ofen. Das lässt meine Frau glücklicherweise zu. So kann ich mich stets ab und an im alten Metier beweisen.“

Zum Ende der Ausbildungszeit zieht es Klaus Eisenbarth dann endlich in den Norden. Die Fördestadt Flensburg wird zu seinem neuen Zuhause. Er verpflichtet sich bei der Marine. Eine Umstellung dürfte es gewesen sein – vom Leben an den Ufern des Rheins hin zum Leben auf See. Große Worte darüber verliert er aber nicht. Außer, dass er erwähnt, in jenen Jahren erstmals einen entfernten Blick auf die Küste Mecklenburg-Vorpommerns geworfen zu haben. Schließlich diente zu den damaligen Pflichten auch die Kontrolle der deutsch-deutschen Grenze zur See. Das sei schon bisweilen ein sehr spannender Job gewesen. Dennoch stand für Klaus Eisenbarth fest, dass er nicht ein Leben lang zur See fahren wollte. Eigentlich ging es ihm vielmehr darum, mit den Möglichkeiten der Bundeswehr ein Studium zu absolvieren, dessen Ausrichtung ihn mehr faszinierte als alles andere. So wurde Klaus Eisenbarth Lebensmitteltechniker. Ein Mann, der weiß, wie man entwickelt und produziert.

Was folgt, sind seine „Fisch-Jahre“ - wie er es einerseits liebevoll, andererseits mit einem leicht ironischen Unterton bezeichnet. Expertise in der Fischfeinkost-Branche erarbeitet er sich im Nu und erwirbt sich weitere wichtige Kenntnisse über die Jahre. Mehr und mehr wird Klaus Eisenbarth zu einem Mann, dessen Know-how und Kompetenzen gefragt sind. So gelangt er schlussendlich auch nach Mecklenburg-Vorpommern. Die Braun’sche Beteiligungsgesellschaft, einer der wichtigen Player in der Ernährungsbranche hierzulande, holt ihn zum Traditionsunternehmen Rügen Fisch. Als nach ein paar Jahren plötzlich bei der mittlerweile ebenfalls zur Braun-Gruppe gehörenden Käserei Goldschmidt ein Posten als Betriebsleiter vakant wird und man ihn fragt, hört Eisenbarth auf seine innere Stimme, die ihm sagt, er solle das doch mal eingehender prüfen. Der Standort Kummer und die Region Südwestmecklenburg erschienen ihm zwar zunächst noch ein wenig unbekannt, hingegen waren ihm die Unternehmen „Ludwigsluster Fleischwaren“ und „Riha Wesergold“, die beide jeweils in unmittelbarer Nähe liegen, durchaus ein Begriff. Eisenbarth folgt dem Ruf und beginnt bei dem mittlerweile 86-jährigen Traditionsunternehmen.

Goldschmidt – das sei so ein wenig ein glänzendes Kleinod mit ganz viel Perspektive, sagt Klaus Eisenbarth, angesprochen auf die Vorzüge des Unternehmens: „Wir sind gerade groß genug und ausgestattet, um tolle Produkte auf den Markt bringen zu können. Und auf der anderen Seite sind wir kein Großbetrieb. Hier herrscht eine familiäre Stimmung. Alle kennen sich gegenseitig – da kommen wir immer schnell zu Ergebnissen.“ 21 Mitarbeiter, das klingt in der Tat auf den ersten Blick nach „Familienbetrieb“. Wenn man sich jedoch die Produktionsmengen genauer ansieht, dann erkennt man schnell: Hier herrscht nicht nur Hochbetrieb, bei Goldschmidt geht es auch um Marktführerschaft. Eisenbarth: „Wir verarbeiten wöchentlich ca. 50.000 Liter Kuhmilch. Das ist vergleichsweise sehr wenig. Aber dazu kommen noch einmal 10.000 Liter Ziegenmilch. Und da gehören wir deutschlandweit zu den Big Playern.“ Der Ziegenmilch-Frischkäse wird auch teilweise für andere große Marken produziert – die Nachfrage ist durchaus beachtlich. Wer klein sei und daher nicht auf Massenproduktion setzen könne, der müsse halt mehr auf Innovation achten - und auf absolute Top-Qualität, sagt Klaus Eisenbarth nachdenklich. Aber eben genau dafür habe man ihn ja auch schließlich hierher geholt. Seine Philosophie, mit den vorhandenen Maschinen, Unmöglich erscheinendes möglich zu machen und dabei die höchsten Qualitätsansprüche stets zu erfüllen werden zum Credo in Kummer. Und das nicht erst, als der Wahl-Mecklenburger zum Geschäftsführer aufsteigt. „Wir haben hier ein tolles Team, bei dem wirklich alle mitziehen, wenn es darum geht, Neues zu etablieren“, sagt Eisenbarth. So auch, als man vor ein paar Jahren damit beginnt, vegane Frischkäse – korrekt heißen sie: Frischcremes – zu entwickeln. „Die Kunst bestand für uns darin, ein rein veganes milchähnliches Produkt herzustellen, mit dem wir auf für uns übliche Weise verfahren können.“ Die Lupine sei ein optimaler Bestandteil, der Milch ersetze, sagt Eisenbarth und ergänzt nicht ohne Stolz: „Das haben wir sehr gut hinbekommen.“

Neben den Frischkäse-Spezialitäten aus Kuhmilch und dem großen Angebot aus Ziegenmilch bzw. den rein veganen Frischcremes gibt es mittlerweile auch echten Grillkäse. Den gibt es in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Und auch als vegane Version. Dazu konnte vor kurzem eine neue Spezialität, die aus Kummer kommt, den Markt entdecken: Frischkäse-Pralinen. Klaus Eisenbarth: „Die Verbindung aus hochwertiger Schokolade und Frischkäse, der teilweise noch fruchtige Elemente erhält, ist eine sehr schöne süße Gaumenfreude. Ich selbst bin begeistert davon und auch insgesamt lässt sich dieses Produkt sehr gut vermarkten.“

Und wie, um es zu beweisen, erhalten wir die Gelegenheit, eine Verkostung der frischen Pralinen persönlich und im Beisein des Chefs vornehmen zu dürfen. Das Ergebnis überrascht: Womit auch immer man geschmacklich rechnen mag – die Frischkäse-Praline setzt wahre Akzente. Auf der Zunge, am Gaumen und im Abgang. Die schmecken ganz eindeutig nach mehr. Auch, wenn sie wie andere Pralinen ebenso, nicht ganz ohne Kalorien daherkommen.

Wer selbst probieren möchte: Alle Produkte der Marke „Goldschmidt“ bekommt man im Hofladen – direkt in Kummer. Oder im gut sortierten Lebensmitteleinzelhandel. Darüber hinaus kann man auch versuchen, noch eine der letzten Karten für die Teilnahme an einem ganz besonderen Event zu ergattern: Am 07.11.2019 werden die Spezialitäten des Hauses im Rahmen eines Koch-Events in der jüngst ausgezeichneten „Kramserei“ in Klein Krams kredenzt. In Menüform.

Guten Appetit!

Steckbrief

  • 1933 - Gründungsjahr
  • 1972 - vollständige Enteignung und Überführung in Volkseigentum
  • 1990-92 - erfolgt die Reprivatisierung unter Leitung der Familie
  • 2011 - Integration in die Braun Beteiligungs GmbH
  • 2017 - Klaus Eisenbarth wird Teil der Geschäftsführung
Karl-Marx-Straße 4 // 19288 Kummer
Telefon: 038751 / 20313 // Telefax: 038751 / 20314 // info@frischkaese.de

 

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Dann nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf:

 

Laura Wagner
Projektmanagerin Fachkräftesicherung
+49 (0)3874 62044-16

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