Hans-Joachim Heuer – der vielfach überraschende „Mr. Globetrotter“

Ausgabe 36
Sa, 02/16/2019

In der Luft, auf See und am liebsten im Norden:

Hans-Joachim Heuer – der vielfach überraschende „Mr. Globetrotter“

Hans-Joachim Heuer ist beileibe kein Mann der lauten Worte. Dennoch nimmt man ihn sehr schnell wahr, wenn er den Raum betritt. Als Director Supply Chain Management der FENIX Outdoor Logistics GmbH, einem schwedischen Outdoor-Konzern zu dem u. a. auch die deutsche Traditions-Outdoormarke Globetrotter gehört, sorgte er maßgeblich dafür, dass die neue Logistikzentrale für den mitteleuropäischen Markt in unsere Region kam. Innerhalb sehr kurzer Zeit wurde die Ansiedlung im Sommer 2017 mit der Grundsteinlegung und später dann der Inbetriebnahme der ersten Lager- und Versandhalle vollzogen. Mittlerweile steht bereits die zweite Halle und die dritte wird bald gebaut. Von hier aus versorgt der Konzern künftig wesentliche Teile Nord- und Mitteleuropas. Heuer selbst ist noch immer an Bord und leitet begleitend den Betrieb und die bevorstehenden Bauphasen in Südwestmecklenburg. Sitz des Unternehmens: Ludwigslust im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Er sei durch und durch ein Norddeutscher, sagt Hans-Joachim Heuer selbst über sich. Ein echter Hamburger Jung. Aufgewachsen in Hamburg, „musste“ Heuer im Alter von 16 Jahren den Umzug der Familie ins Rheinland verkraften. „Es war natürlich gar nicht so schlimm, wie ich es zunächst angenommen hatte“, sagt er, „ich fand dort auch sehr schnell Anschluss. Aber gleich nach dem Abitur habe ich zugesehen, dass ich wieder in Norden komme.“ Heuers Vater, ein Bundeswehrsoldat, war versetzt worden und so kam es dazu, dass die Familie von der Elbe an den Rhein zog. Für Hans-Joachim Heuer stecken möglicherweise in diesem einen Erlebnis gleich zwei prägende Merkmale. Denn Heuer entschied sich nicht nur dafür, in den Norden zurückzukehren – er ging selbst zur Bundeswehr. Und er sollte in Zukunft berufsbedingt noch vielfach den eigenen Wohnort wechseln. Aber der Reihe nach.

Schon früh hatte Hans-Joachim Heuer den Wunsch verspürt, Flieger zu werden. Daher bewarb er sich gleich nach der Musterung bei der Bundeswehr – als Helikopter-Pilot. Dazu verpflichtete er sich und absolvierte ein Pädagogik-Studium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg, die heute den Namen Helmut Schmidts trägt. Beinahe wären seine Flieger-Wünsche an seiner Körpergröße gescheitert. Er ist zwar kein Zweimeter-Mann. Aber weit davon entfernt ist er auch nicht. Keinen Zentimeter größer hätte er sein dürfen, sagt Heuer süffisant, sonst hätte er nicht in das Cockpit gepasst: „Ich war die wandelnde Obergrenze.“ Mittlerweile ist Hans-Joachim Heuer umgestiegen: vom Cockpit ans Ruder. Heuer segelt. Am liebsten auf der Ostsee – gemeinsam mit seinem Sohn. Womöglich ist es die Freiheit am Himmel oder auf offener See, die ihn so fasziniert. Adrenalin dürfte beides im Körper in ausreichendem Maße freisetzen.

Doch zurück in die Vergangenheit: Im Anschluss an sein Studium und die Offiziersausbildung wechselte Hans-Joachim Heuer in den Generalstab und bekam dort die Möglichkeit, eine Top-Management-Ausbildung zu absolvieren. Genießen sei eigentlich das richtigere Wort, wie er sagt. Die Kernthemen lauteten: Menschenführung, Organisation und Strategie. Themen, die ihn heute immer noch stets beruflich begleiten. Er verdanke der Bundeswehr sehr viel, sagt er, auch wenn es irgendwann dann wirklich Zeit geworden sei, andere Wege zu gehen. Mittlerweile hatte Heuer geheiratet und eine Familie gegründet. Die Kinder wuchsen langsam heran und insbesondere seine dienstlich bedingten Standortwechsel führten dazu, dass Heuer immer stärker den Wunsch verspürte, auszuscheiden und sein Glück in der freien Wirtschaft zu suchen. „Meine Kinder, vor allem aber auch meine Frau bekamen mich manchmal länger gar nicht so richtig zu Gesicht. Das kann man eine Weile lang mitmachen, irgendwann aber muss man Farbe bekennen. Und für mich stellte sich nie die Frage: „Dienst oder Familie?“, betont Hans-Joachim Heuer mit Nachdruck. Also ging er. Zunächst nach Hamburg. Dort suchte der OTTO Konzern jemanden für den Bereich Logistik. Heuer kam wie gerufen, begann und machte sehr schnell sehr steil Karriere. Schon bald wurde jemand gesucht, der für den Konzern in Süddeutschland ein neues Logistikzentrum aufbauen sollte. Heuer übernahm den Job.

Zunächst ging er allein, ohne die Familie, in den Süden. „Sie können sich ja denken, dass dies nur bedingte Begeisterung innerhalb der Familie hervorrief“, sagt Heuer lachend. Doch schon nach kurzer Zeit folgte der Nachzug: „Es waren schöne Jahre dort unten. Meine Frau ließ sich als Ärztin nieder, die Kinder fanden sehr schnell Anschluss.“ Und das Logistikzentrum wuchs und entwickelte sich. Dennoch hieß es auch hier irgendwann wieder für Hans-Joachim Heuer und die seinen, Abschied zu nehmen, die Koffer zu packen, um an einem anderen Ort etwas Neues zu planen und aufzubauen. „In meinem Bereich ist die Verweildauer an einem Ort wirklich eher kurz. Die meisten meiner Kollegen planen einen Standort. Oder sie bauen ihn auf. Ich bin einer der wenigen, die sowohl Planung, Aufbau und Inbetriebnahme erledigen“, sagt Heuer.

Was folgte, waren Engagements in Hamburg, dann in Erfurt. Und schließlich landete Hans-Joachim Heuer wieder in Hamburg: bei Globetrotter – der deutschen Marke für Outdoor- und Reise-Ausrüstung. Gegründet wurde das Unternehmen 1979 und wurde sehr schnell zu einem der führenden Händler der Outdoor-Branche. Abgerundet wird die wohl einzigartige Erlebniswelt für Abenteurer, Entdecker und Individualtouristen durch einige atemberaubende Stores in deutschen Ballungsgebieten. 2015 wurde Globetrotter von der schwedischen FENIX Outdoor AG übernommen. Gleichzeitig mit der Übernahme wurde das operative Geschäft weitestgehend umstrukturiert, hin zu einem modern und innovativ aufgestellten Unternehmen, mit einer klaren Logistikkompetenz. Für Hans-Joachim Heuer, bedeutete dies eine Art Neuanfang beim alten Arbeitgeber. Und er begann sogleich damit, die Logistik-Pläne, die FENIX-Chef Martin Nordin hatte, in die Tat umzusetzen. „Im Wesentlichen bestand die Herausforderung darin, einen Standort zu finden und entsprechend zu entwickeln, von dem aus wir Deutschland und Skandinavien – und später auch weitere Teile Europas – verlässlich beliefern und versorgen können“, so Heuer.

Auf der Standortsuche stößt Hans-Joachim Heuer unter anderem schließlich auch auf Ludwigslust. Die Region Südwestmecklenburg – das weiß Heuer als Nordlicht schon lange – liegt günstig: „Die Nähe zum Hamburger Hafen und zur Ostsee. Die Flughäfen Hamburg und Berlin. Dazu die Autobahnen A24 und A14.“ Es gab viele Dinge, die für Ludwigslust sprachen – von Anfang an. Das es aber schließlich tatsächlich Ludwigslust wurde, daran hatten insbesondere die lokalen Player einen großen Anteil. „Das ich sehr schnell einen neuen Standort aufbauen kann“, sagt Heuer, „war mir klar. Für mich war aber entscheidend, dass man sich hier äußerst bemüht hat, unser Tempo mitzugehen.“ Am Ende fand der symbolische Spatenstich nicht einmal ein Jahr nach Aufnahme der ersten Gespräche statt. Das war im August 2017. Mittlerweile ist die erste von drei geplanten Hallen längst in Betrieb. Halle zwei ist beinahe betriebsbereit und die dritte Halle wird demnächst gebaut. Und auch danach könne es sein, sagt Heuer, dass Erweiterungen in Ludwigslust notwendig werden. „Raum und Luft nach oben sind da“, sagt Hans-Joachim Heuer mit einem Lächeln. Das sei ideal so – denn das zeige, wie gut es um die Zukunftsfähigkeit am Standort bestellt sei.

So viel ist sicher: Hans-Joachim Heuer selbst wird den Standort noch eine ganze Weile weiterhin begleiten. Die Familie hat mittlerweile längst in Lübeck ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Von dort aus startet Heuer seine beinahe täglichen Touren nach Ludwigslust. Und falls es doch mal später wird: Für alle pendelnden Mitarbeiter gibt es eine WG in Ludwigslust, die genutzt werden kann. Der Familienvater in ihm sorgt jedoch insbesondere im Sommer dafür, dass Heuer die Abende in Lübeck verbringt – im Kreise der Familie. Aber eben sehr gern auch an Bord auf der Ostsee.

Ob er eigentlich ab und zu auch noch Helikopter fliegt? „Nur als zahlender Mitreisender“, gesteht Hans-Joachim Heuer. Die Technik sei so weit fortgeschritten, dass er eben seine eigenen Grenzen gut einzuschätzen wisse. Das Mitfliegen aber mache ihm immer noch sehr viel Spaß, wenn es auch selten vorkomme. Und was ihm sonst noch aus seiner Zeit bei der Bundeswehr geblieben ist? Immerhin waren es 20 Jahre, die Heuer bei der Bundeswehr verbrachte. „Es sind mit Sicherheit die Themen, die mich damals schon interessiert haben: Menschenführung, Organisation und Strategie – meine Steckenpferde“, antwortet er gelassen, nicht ohne kurz darüber nachzudenken. Während er dies sagt und entspannt am Schreibtisch sitzt – den Blick in die Ferne schweifend, ist man kurz versucht, ihn sich in Uniform vorzustellen. Gar nicht so leicht, denn Hans-Joachim Heuer ähnelt eher dem genießerischen Segler, der voller Tatendrang steckt als einem "zackigen" Soldaten aus dem Generalstab. Als wenn er diese Gedankenspiele erahnt hat, verzieht er plötzlich sein Gesicht zu einem sehr offenen Lächeln und sagt: „Vielleicht merkt man mir auf den ersten Blick meine soldatische Vergangenheit gar nicht mehr so sehr an. Ich kann aber auch „zackig“, wenn ich muss und wenn ich das Gefühl habe, dass die Situation dies erfordert. Aber zum Glück brauche ich das nur sehr selten.“

 

Sie interessieren sich für weitere Informationen zu dem vorgestellten Unternehmen, der interviewten Persönlichkeit bzw. zum WiFöG Weekender? Oder Sie kennen ein Unternehmen, bzw. eine Persönlichkeit, die Sie unbedingt in einer unserer kommenden Ausgaben präsentiert sehen möchten?

Dann nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf:

 

mb_web
Marc Brendemühl
Projektmanager Kommunikation und Marketing
+49 (0)3874 62044-18

Ihr Kommentar zum Thema

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA

This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Blog abonnieren

Abonnieren Sie unseren Blog und wir teilen Ihnen mit wenn die nächste Ausgabe des Weekenders erscheint!