Miss Allie und das Leben als „Rampen-Frau“

Ausgabe 55
Fr, 11/15/2019

Kleine Geschichten - große Stimme:

Miss Allie und das Leben als „Rampen-Frau“

Die junge deutsche Singer-Songwriterin Miss Allie verbrachte den Großteil ihrer Kindheit und ihre Jugend in der südwestmecklenburgischen Schaalseeregion, bevor es sie zum Studieren nach Lüneburg verschlug. Schon als Kind erhielt sie früh Klavierunterricht und brachte sich später dann selbst das Gitarrespielen bei. Während eines längeren Auslandsaufenthaltes in Australien nach dem Bachelor-Studium entdeckte die Kulturwissenschaftlerin ihre Fähigkeiten als Entertainerin. Sie schrieb eigene Songs und trat mit diesen auf. Anschließend kehrte die Künstlerin zurück, um zwei wichtige Vorhaben zu realisieren: Erstens den Master im Studium in Lüneburg zu absolvieren. Und zweitens: Weiter an der eigenen Singer-Songwriter-Karriere zu arbeiten. Mit großem Erfolg: Derzeit absolviert Miss Allie eine große Deutschland-Tournee. Ihr zweites Album erscheint am 22. November diesen Jahres. Und sie ist mittlerweile mit ihren Songs ein gern gesehener Gast
im Fernsehen. Wir trafen Miss Allie während einer kurzen Tourpause in ihrer Wahlheimat Lüneburg.

Sie ist noch ein wenig müde, als wir sie treffen. Entschuldigend bestellt sich Miss Allie einen Tee. Sie sei erst vor ein paar Stunden aus Sindelfingen zurückgekehrt, wo sie Tags zuvor ein abendfüllendes Konzert gegeben habe. Und davor war Sie in XXXXX.

So sei das Tourleben, sagt sie, aber das habe sie sich schließlich so ausgesucht. Viel unterwegs mit ganz viel Einsatz. Der Schlaf wird da mitunter zur Nebensache. Mit dem Tee jedoch weicht die Müdigkeit und Miss Allie beginnt zu erzählen.

Natürlich heißt Miss Allie im wahren Leben eigentlich gar nicht Miss Allie. Dieser Name ist ein Künstlername – eine Art Pseudonym, das ihr dabei hilft, normal den Alltag zu leben.

„Ich finde, dass Privatsphäre etwas ist, was jeder haben darf und das respektiert werden sollte. Daher bin ich halt einfach Miss Allie“, sagt sie nachdenklich und mit Nachdruck. Daneben ist Miss Allie auch ein Markenname. Er gibt ein Versprechen auf eine Belohnung, die man erhält, wenn man sich mit der Künstlerin und ihrer Musik befasst. Wenn man ihr gegenüber sitzt, fällt schnell auf, dass dieser Künstlername wirklich hervorragend gewählt ist. Denn er verrät so Manches über die Art und Weise, mit der die durchaus ein wenig zierlicher wirkende Miss Allie agiert. Sieht man sie auf einer Bühne – mit hunderten Zuschauern davor – dann erlebt man eine energiegeladene Persönlichkeit. Einen Menschen, der über sich selbst und das, was er an Erwartungen zu erfüllen bereit ist, hinauswächst. Eine junge Frau mit einer Gitarre, einer Botschaft und mit einem Sendungsbewusstsein. Nicht zuletzt auch entdeckt man schnell die gute Portion Selbstbewusstsein, die Miss Allie zu eigen ist. „Das war mir aber nicht unbedingt angeboren. Das habe ich mir erarbeitet“, sagt sie mit einem feinen Lächeln. Dennoch muss der Drang, eine Bühne zu besteigen, eigene Texte singend vorzutragen – sich auch selbst dabei ein wenig preiszugeben, ja einen Ursprung haben. Gemeinsam mit Miss Allie begeben wir uns also auf Spurensuche.

Die Anfänge, in denen die Grundlage für eben diesen bemerkenswerten Lebensweg geschaffen wurde, liegen doch weiter zurück. Sie liegen nicht in Australien, wo sich Miss Allie einst hin zurückgezogen hatte, um in sich zu gehen und das eigene Leben zu überdenken. Auch, wenn sie dabei auf genau jenem Kontinent, der unserer Hemisphäre am weitesten enfernt erscheint, ihr eigenes Talent entdeckte, öffentlich Musik zu machen. Die Anfänge lagen auch nicht in den zahlreichen Contests, von denen sie nicht wenige gewann und dadurch ihr besonderes Talent unter Beweis stellte. Und auch nicht in den Coachings und Band-Camps, die sie Stück für Stück immer professioneller haben werden lassen. Mit Sicherheit lag der eigentliche Ursprung für den Mut, sich selbst und die eigenen Songs auf
den Brettern, die die Welt bedeuten, zu präsentieren, in einem offenen, musisch interessierten und künstlerisch veranlagten, liebevollen Elternhaus. Miss Allie war gerade erst eingeschult worden, als die Familie sich dafür entschied, der Millionenmetropole Berlin den Rücken zu kehren, um künftig in Südwestmecklenburg zu leben. Auf dem Dorfe. Berufliche Gründe seitens ihres Vaters waren dafür entscheidend. Die ganz junge Miss Allie jedoch war damals zunächst nicht einverstanden mit diesem Schritt. Ihr Protest, so erinnert sie, sei doch recht deutlich gewesen. Sie habe sich als Kind sicher und gut aufgehoben gefühlt in der Großstadt. So habe sie, um dieses Selbstbewusstsein zu demonstrieren, beispielsweise ihre Mutter davon überzeugt, alleine und zu Fuß zum Kindergarten zu gehen. „Ich weiß es nicht ganz genau – aber ich bin ziemlich sicher, dass meine Mutter mir dabei gefolgt ist, um auf Nummer sicher zu gehen“, sagt sie.

Das Leben auf dem Lande brachte da ganz neue Herausforderungen. Die hinzugewonnenen Freunde kamen zunächst nur unmittelbar aus dem Dorf. „Eine Freundin lebte im wenige Kilometer enternten Nachbardorf, das war schon sehr abenteuerlich. Mit den Jahren aber bekam diese Komponente eine gewisse Routine“, sagt Miss Allie mit einem breiten Grinsen und nicht ohne einen ironischen Unterton. Irgendwann besorgten ihr die Eltern ein Klavier und einen Klavierlehrer. Der kam dann mit dem Rad aus dem Nachbardorf. Miss Allie: „Der war großartig. Und die Noten hatte er immer auf dem Gepäckträger dabei.“ So jedenfalls entdeckte Miss Allie ihre Liebe zur selbstgemachten Musik. Ihr Vater - ein sehr leidenschaflicher Gitarrist - und ihre Mutter, ebenfalls kunst- und kulturbewandert, förderten neben der musikalischen Entwicklung auch den Drang zur freien Entfaltung ihrer Tochter. Dazu kam eine enge Bindung zum großen Bruder, mit dem sie sehr viel Zeit verbrachte. „Quality-Time“ unter Geschwistern. Ein paar Jahre später schrieb sie ihm eigens einen Hochzeits-Song, dessen Erfolg sie dann deutschlandweit überall testete, ehe sie ihn bei der feierlichen Zeremonie dann endlich auch ihm präsentieren konnte: „Den Song schrieb ich noch in der Nacht, gleich nachdem mein Bruder mich anrief, um mir die freudige Botschaft zu überbringen. Allerdings dauerte es dann bis zur Hochzeit – und so kam es, dass ich dieses Lied ganz oft auf der Bühne performte. Vor mir fremden Menschen. Ich bat immer ausdrücklich darum, dass bitte alle Zuschauer während dieses Liedes ihre Kameras ausmachten. Weil der Song ja bei der Hochzeit eine Überraschung werden sollte. Das funktionierte glücklicherweise.“

Wer wie Miss Allie im ländlichen Raum aufwachsen darf, für die gibt es viel zu entdecken: beispielsweise in der Jugendfeuerwehr. Hier lernte die Jugendliche viel über Zusammenhalt und Freundschaft. Aber auch über Technik. Ob sie heute noch einen perfekten Löschangriff beherrschen würde? Vermutlich. In der Schule habe sich gezeigt, dass sie gut organisieren könne. Vor allem Partys, Events, Festivitäten. Der Abistreich am Gymnasium in Wittenburg? „Der ging auf meine Kappe“, sagt sie nicht ohne einen gewissen Stolz in der Stimme.

Irgendwann nach dem Abitur kam dann die Zeit des vorübergehenden Abschiednehmens. Von Freunden, die sich in alle Winde verstreuten. Von liebgewordenen Ritualen. Und auch von der Familie und der unmittelbaren Umgebung. „Ich habe Blut geleckt und wollte im Kulturbereich Veranstaltungen organisieren. Nach einigem hin und her entschied ich mich schließlich für den Studiengang Angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg. Ich weiß – ich hätte es nicht besser treffen können“, sagt Miss Allie.

Und während ihr Leben in der Zeit bis zum Bachelor-Abschluss noch recht vergleichbar gewesen sein dürfte mit dem zahlreicher anderer Studierender, so sehr änderte sich Vieles, als sie direkt im Anschluss nach Australien auhrach. „Ich war jung und ich brauchte das Geld“, sagt Miss Allie lachend. Also nahm sie sich ein Herz und ihre Gitarre, um den Menschen, die ihr dort in Down Under begegneten, mit ein paar Liedern zu erfreuen. Damals sang sie noch auf Englisch. Niemals habe sie in jener Zeit ernsthaft erwogen, irgendwann einmal Texte in deutscher Sprache zu schreiben – geschweige denn, sie auch noch öffentlich zu singen.

Die Erfahrungen, die sie in Australien machte, gaben ihr den nötigen Mut, um zu erkennen, dass es die eigene Musik sein würde, der sie die kommenden Jahre widmen wollte. Miss Allie: „Erst als ich wieder zurück war, versuchte ich ernsthaft, deutsche Texte zu schreiben.“ Anfangs sei ihr dies sehr schwer gefallen. Miss Allie:

„Ich konnte musikalisch nicht in meiner Muttersprache ausdrücken, was ich fühlte, ohne mich dabei total cheasy zu fühlen… Daher versteckte ich das Ganze hinter meinem Humor.“

Wer das erste Album von ihr kennt, der wird das bestätigen – jedoch vielleicht auch noch ergänzend sagen: Ein klein wenig frivol ist es auch. „Ja, man kann schon sagen, dass einige Texte von mir so sind“, sagt Miss Allie:

„Auf meinem ersten deutschen Album erzähle ich die Geschichte von meinem Herzen und der Toilette. Da habe ich viele blöde Erfahrungen mit Männern und noch ein paar andere Dinge auf teilweise sehr humorvolle Art verarbeitet.“

Das neue Album, das gerade in den Startlöchern steht, sei da jedoch etwas anders: „Ich will mich gerade, was meine Texte angeht, nicht festlegen lassen. Meine humorvollen Songs auf
dem Album ‚Mein Herz und die Toilette haben mir viele Türen geöffnet. Vor allem die Comedy-Szene gab mir einen ziemlichen Push durch tolle Präsenzen in bekannten Formaten, wie Nightwash. Aber ich bin ja ich - und verstehe mich in erster Linie als Musikerin. Und als diese mache ich natürlich auch neue Erfahrungen und entwickele mich weiter… Meinen Humor werde ich natürlich nie verlieren, aber auf dem neuen Album ist es mir endlich gelungen, Songs zu schreiben, die sehr emotional sind, ohne dass sie cheasy klingen.“

Ich habe bereits ein englisches Album! „THIS IS WHY!“ (2016)

Zunächst aber stehen ihre Tournee und das zweite deutsche Album „Aus Scheiße wird Gold“ im Fokus. Gut 120 Konzerte werde sie im kommenden Jahr deutschlandweit spielen Allein auf der Bühne mit ihrer Gitarre. Und manchmal auch einem Klavier. (KEIN KLAVIER!) Miss Allie nippt an ihrem Tee.

Vor gut einem Jahr nahm die Karriere der jungen Singer-Songwriterin so sehr Fahrt auf, dass sie sich ein Team zusammenstellte, welches sie nun auf ihrem Weg begleitet. „Mein Manager Malte steht mir mit Rat und Tat zur Seite und mein Booker Jonas kümmert sich um meine Konzertbuchungen. Wir funktionieren als Team super und ich bin sehr froh, dass sie da sind.“ Am wichtigsten ist Miss Allie ihre Freiheit. „Ich bin und bleibe meine eigene Chefin und möchte unabhängig und frei entscheiden, was mit meiner Musik geschieht.“

Wir finden: Das klingt doch sehr vielversprechend. Mit einem Blick auf die Uhr stellen wir fest, dass der vereinbarte Zeitrahmen für unser Gespräch exakt aufgebraucht ist. Miss Allie hat noch ein paar weitere Termine. Und so trennen sich unsere Wege. Aber vielleicht gibt es ja doch ein Wiedersehen. Bei einem ihrer Konzerte. Wenn sie auf einer dieser Bühnen steht, die für sie die Welt bedeuten.

 

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Laura Wagner Projektmanagerin Fachkräftesicherung
Laura Wagner
Projektmanagerin Fachkräftesicherung
+49 (0)3874 62044-16

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